Lieferengpass bei Narkosemittel

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Eine Patientin wird mit Narkose auf die Operation vorbereitet. Foto: Jens Schierenbeck

Lieferschwierigkeiten bei einem Narkosemittel verärgern Ärzte und rufen die Behörden auf den Plan. Seit Monaten gibt es Nachschubprobleme bei Präparaten mit dem Wirkstoff Remifentanil. Er wird vor allem bei ambulanten Operationen und Kindern eingesetzt.

Dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) sind die Probleme bekannt - an diesem Donnerstag sind weitere Gespräche angeberaumt.

Zuerst hatte die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ über die Engpässe berichtet. In manchen OP-Zentren könne nur noch zwei Wochen lang operiert werden, dann seien die letzten Vorräte aufgebraucht. Der Grund für die Misere sei unbekannt. Über Verunreinigungen bei Grundstoffherstellern werde ebenso spekuliert wie darüber, dass die Produkte aus wirtschaftlichen Gründen in andere Märkte geliefert würden.

Vom Bundesinstitut BfArM hieß es, die Nachschubprobleme seien seit Ende 2016 bekannt. Im März habe es eine erste Gesprächsrunde mit allen Akteuren gegeben, am Donnerstag stehe eine weitere Abstimmungsrunde an. „Ziel ist es, möglichst schnell die Versorgung aller Patienten sicherzustellen“, sagte BfArM-Sprecher Maik Pommer der Deutschen Presse-Agentur.

Das Wirkstoff Remifentanil wird als Originalpräparat unter dem Produktnamen Ultiva vertrieben. Das Narkosemittel hat laut BfArM einen Marktanteil von 80 Prozent. Zwar seien auch rund ein Dutzend Generika auf dem Markt, diese könnten den Lieferengpass aber nicht auffangen. Laut Pommer wird der Wirkstoff zwar inzwischen wieder produziert, neue Ware werde ausgeliefert, „es kommt aber weiter zu Verzögerungen.“

Der größte Lieferant, GlaxoSmithKline (GSK) mit deutschem Sitz in München, war zunächst nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Die „FAZ“ zitiert einen GSK-Sprecher mit den Worten, 2016 seien Chargen wegen Qualitätsmängeln zurückbehalten oder vernichtet worden. Die Probleme seien aber behoben: „Wir sind wieder voll lieferfähig.“

Remifentanil habe entscheidende Vorteile gegenüber anderen Narkosemitteln, sagte der Präsident des Berufsverbands Deutscher Anästhesisten, Götz Geldner (Ludwigsburg), der dpa. „Sie sind gut steuerbar beim An- und Abfluten“. Der Patient könne schnell in tiefe Narkose versetzt werden und wache schnell wieder auf. Das sei vor allem bei ambulanten Operationen wichtig, nach denen die Patienten wieder nach Hause gehen müssten, aber auch bei Kindern. In Kliniken gebe es mehr Alternativen. Krankenhäuser würden wohl auch bevorzugt beliefert, weil sie in Einkaufsverbünden größere Mengen abnähmen.

Die Deutsche Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin (DGAI) fordert, „dass in Deutschland eine Basisversorgung mit essenziellen Medikamenten sichergestellt ist“. Laut Geldner fällt Remifentanil für ambulante OP-Zentren eindeutig in diese Kategorie. Von Kollegen in der Schweiz wisse er, dass es dort keine Probleme gebe - dort würden höhere Preise gezahlt. „Wir wundern uns.“

Allem Ärger zum Trotz: „Patienten müssen sich keine Sorgen machen“, sagte Geldner. Weder müssten Operationen abgesagt werden noch würden Patienten Schaden nehmen. Durch die Umstellung auf andere Narkosemittel müsse man aber Abläufe ändern, etwa die Nachbeobachtung nach dem Aufwachen verlängern. „Das ist, wie wenn Sie gewohnt sind, einen Brief mit dem Computer zu schreiben. Wenn der kaputt ist, müssen Sie eben wieder die Schreibmaschine nehmen.“

BfArM

DGAI

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