Letzter Rettungsversuch

Das Tauziehen um Bürgschaften für eine Schlecker-Transfergesellschaft hielt die ganze Nacht an. Baden-Württemberg trommelte bei den Ländern.

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Das Land Baden-Württemberg wäre unter einer Voraussetzung bereit, für den staatlichen KfW-Kredit zum Aufbau einer Schlecker-Auffanggesellschaft mit rund 25 Millionen Euro zu bürgen und somit in Vorleistung zu gehen: Wirtschaftsminister Nils Schmid (SPD) stellte gestern Abend nach der Sitzung des Wirtschafts- und Finanzausschusses des Landtags klar, dass er dafür bis heute morgen 8 Uhr bei den anderen Ländern Bürgschaftszusagen in Höhe von 45 Millionen Euro eingesammelt haben müsste. "Mir ist bewusst, dass das für die Schlecker-Frauen und deren Familien noch keine befriedigende Lösung. Aber wir werden eine Nachtschicht einlegen."

Auch Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz kündigte an, bis zur letzten Minute um die Auffanggesellschaft zu kämpfen. Er hatte mehrfach betont, dass er die Gefahr sehr gering einschätze, dass die Länder letztlich finanziell bluten müssten.

Die Idee zu diesem letzten Rettungsversuch stammt dem Vernehmen nach aus CDU-Kreisen. Das Land spränge mit den 25 Millionen Euro für Niedersachsen, Sachsen und Sachsen-Anhalt ein, die den KfW-Kredit über 70 Millionen Euro nicht unterstützen wollen. Das Geld wird benötigt, um für sechs Monate die Kosten der Auffanggesellschaft zu finanzieren. Kommt diese nicht zustande, stehen die 11 000 Mitarbeiter - darunter vor allem Frauen - auf der Straße.

Noch am Vortag hatte es so ausgesehen, als ob alle Bundesländer mitziehen würden. Als jedoch Niedersachsen ein klares Nein zur Bürgschaft formuliert hatte, wuchs auch bei den anderen Ländern die Skepsis. Schließlich war nur noch von einer Dreier-Lösung mit Baden-Württemberg, Bayern und Nordrhein-Westfalen die Rede gewesen. Doch dann sprang auch Bayern ab.

Bei Verdi in Baden-Württemberg wurde die Absage der Bundesländer mit großer Enttäuschung aufgenommen. Gewerkschafter Bernhard Franke sagte gestern gegenüber dieser Zeitung, bei einigen Betriebsräten seien Tränen geflossen angesichts der Hängepartie. Denn anfangs waren Betriebsrat und Gewerkschaft noch sehr optimistisch gewesen, dass der staatliche KfW-Kredit für die Auffanggesellschaft auf den Weg gebracht wird. Verdi gab sich gestern Abend weiter kämpferisch: "Wir geben die Hoffnung nicht auf."

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Die Schlecker-Pleite

2012 meldete Schlecker, Europas ehemals größte Drogeriemarktkette, Insolvenz an. Damals hatte Schlecker noch 7000 Filialen und etwa 30.000 Mitarbeiter.

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