Leitartikel zu Mollath: Dunkle Flecken des Systems

Die Patienten sind völlig gesund und verhalten sich normal, aber in den Psychiatrien erkennt das keiner. Ihre Fragen werden oft ignoriert. Weil sie protokollieren, was mit ihnen geschieht, wird das vom Personal als "pathologisches Schreibverhalten" vermerkt. Ein Leitartikel von unserem Redakteur Roland Müller

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Die Patienten sind völlig gesund und verhalten sich normal, aber in den Psychiatrien erkennt das keiner. Ihre Fragen werden oft ignoriert. Weil sie protokollieren, was mit ihnen geschieht, wird das vom Personal als "pathologisches Schreibverhalten" vermerkt. Es dauert drei Wochen, bis die Probanden gehen dürfen - nicht, weil sie als geheilt gelten, sondern weil ihre angebliche "Schizophrenie" nicht mehr akut ist. Das berühmte Experiment des US-Psychologen David Rosenhan, bei dem sich Gesunde in Psychiatrien einweisen ließen, zeigte 1973 auf, wie schwer es sein kann, zu beweisen, dass man nicht verrückt ist.

Sieben Jahre hat Gustl Mollath in der Psychiatrie gesessen - weil er laut Gutachter als gemeingefährlich galt. War das ein Irrtum? Und wer entscheidet das? Mollaths Schicksal berührt Urängste von Menschen, dem Urteil anderer ausgeliefert zu sein. Da es auch um Schwarzgeld und dunkle Bankgeschäfte ging, gedieh zudem der schlimme Verdacht, dass da ein Unbequemer mundtot gemacht wurde, der den Reichen und Mächtigen zu nahe gekommen war. Es sind solche Geschichten, die das Zeug dazu haben, Vertrauen in Justiz, Politik und das Gemeinwesen zu erschüttern - und die Frage aufwerfen: In welchem Staat leben wir eigentlich?

Die Antworten fallen freilich komplexer aus. Den großen Filz, die große Verschwörung zwischen Richtern, Politik und Banken zu Ungunsten eines Mannes hat es nach allem, was man weiß, nicht gegeben. Der Fall Mollath ist vielmehr ein Skandal der Nachlässigkeit und Schlamperei eines Justiz-Apparats, dessen Schwächen in Bayern oft stärker ausgeprägt sind als anderswo. Und ja, auch Mollath selbst hat wohl dazu beigetragen, dass er nicht früher rauskam aus der Psychiatrie - weil er sich bockig stellte und mit keinem Gutachter reden wollte.

Nur: Was sagt es über ein System aus, wenn einer jahrelang nicht rauskommt - wegen Bockigkeit? Der Fall Mollath hat ein Schlaglicht geworfen auf einen dunklen Fleck in unserer Rechtsordnung. Der Paragraph 63 des Strafgesetzbuchs ist ein Ticket, mit dem seit Jahren immer mehr Straftäter in der Psychiatrie verschwinden - oft ohne Rückfahrkarte. Weil es eben schwer ist, eine gutachterlich einmal bescheinigte "Gefährlichkeit" juristisch zu widerlegen. Kritik von Experten gab es daran seit Jahren, aber kein Politiker sah sich bemüßigt, etwas zu ändern. Auf Volkes Beifall kann man ja meist zählen, wenn es um das möglichst lange Wegsperren etwa von Sexualstraftätern geht. Der Fall Mollath zeigt nun, welche Folgen der unselige Trend zum präventiven Einsperren haben kann. Er ist auch Beleg dafür, wie schwer sich die Justiz damit tut, Fehler einzugestehen und zu korrigieren. Die Hürden zur Wiederaufnahme von Verfahren sind hoch - und selbst wenn ein zu Unrecht Verurteilter freikommt, sind die Entschädigungen lächerlich gering.

Bei allen Skandalen und Schlampereien zeigt der Fall Mollath aber auch, dass Dinge funktionieren in unserem Gemeinwesen: Denn am Ende hat eben doch ein Oberlandesgericht die Kurve bekommen - Mollath wurde freigelassen. Auch die Politik ist aufgewacht; die Bundesregierung will Gesetze ändern, um Rechte von Insassen zu stärken. Dass ein einzelner Fall solche Steine ins Rollen bringen kann, ist eine Stärke unserer Demokratie.

Vor allem ist der Fall Mollath ein Beispiel für Journalisten, die nicht locker ließen, unablässig recherchierten, bohrten, unbequeme Fragen stellten. Es ist bezeichnend, dass sich in der Affäre erst etwas bewegte, als es für die bayerische Justizministerin Beate Merk (CSU) eng wurde. Hätten Justiz und Politik umgesteuert, wenn die oft gescholtene "vierte Gewalt" der Medien nicht so hartnäckig gewesen wäre? Man darf es bezweifeln.

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Kommentare

15.08.2013 01:43 Uhr

gesund in kranker Umgebung

so lautet der Aufsatz von Rosenhan, der von P.Watzlawick in seinem Buch..die erfundene Wirklichkeit zum ersten mal veröffentlicht wurde.....abgesehen davon, dass niemand des Fachpersonals in der Lage war, festzustellen, wer oder was gesund ist...es ist auch die Kommunikationsstruktur, die von Rosenhan in den Kliniken analysiert worden war.....u.a. wie entstehen double-binds, outsider-situations...welche Folgen haben sie...etc.....jedenfalls ist die Psychiatrie weit davon entfernt, was Sir Karl Popper als Wissenschaft beschrieb.....in diesem Fall meinte er bekanntlich, alles was wir können ist nur zu vermuten.....aber, wenn das einem nicht bewußt ist, dann kommt nach Poppers These es zu einem naturalistischen Fehlschluss.....mit verheerenden Folgen wie man immer wieder sehen kann.....

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14.08.2013 17:50 Uhr

Weggesperrt ohne Grund

Ich wurde monatelang aufgrund falscher eidesstattlicher Versicherung und der frechen Unterstellung eines "Gutachters" eingesperrt und misshandelt. Ich musste mit ansehen wie Menschen unter Medikamente gesetzt wurden ohne dass sie was gemacht hatten. Ich wurde wie ein Stück Scheiße behandelt und von heute auf morgen kriminalisiert. Das hat mir ein Spandauer Orthopöde angetan mit seinen verlogenen Angaben und seinen eingekaufte Leuten im Umfeld inkl. einer enthusiastischen Polizeibeamtin. Seine Freunde im Sport sorgten für die Verbreitung einer Rundmail gegen mich, um mich zukünftig von allen Sportveranstaltungen auszuschließen. Der Betrug im Gerichtssaal, die nicht erfolgte Strafanzeige gegen ihn verhalfen ihm zu weiteren kriminelleren Anschuldigungen. Die betrogene Lebenspartnerin ließ sich zwei falsche Arztatteste ausstellen und hat aufgrund ihrer Abhängigkeit, Eifersucht und psychologischen Verdrängung mit gelogen. Das Strafgesetzbuch wurde mehrfach durchlaufen und das Gericht hat NIE nu eine Angabe von ihm geprüft, so dass ich im Psychoknast landete und erst vor den Verhandlungen durch eine weitere Gutachterin entlassen wurde. Die Denunzierung und Stigmatisierung hat hervorragend geklappt. Wenn dieser Fall neu aufgerollt wird, dann ist es wie bei Mollath und hoffentlich landen er und viele andere wegen Rechtsbeugung etc. im Gefängnis. Mein Zusammenbruc erfolgte 6 1/2 Wochen später mit Herzdruckmassage. Ich hoffe für Gustl Mollath dass er keinen Herzanfall bekommt. Das Trauma kommt erst später raus. Die deutsche Justiz ist ein verlogenes und teils kriminelles System Ich schäme mich deutsche Staatsbürgerin zu sein. Anwälte, Richter, Staatsanwälte, Gutachter können machen was sie wollen und stopfen sich ihre Rachen voll. Ich hoffe es geht ein Ruck durch du Richter werden genau vom Amt entlassen im Hauruckverfahren, genauso wie sie mich und Andere im Hauruckverfahren eingesperrt haben. Ich komme ursprünglich aus dem Lehramt mit abgeschlossenem Sportstudium etc., habe viele Jahre im Sportbereich gearbeitet und musste mich wegen einem Seitensprung des Arztes zur Stalkerin denunzieren lassen Die karrieregeile Staatsanwältin und andere haben fleißig mitgedreht, dass die falsche eidesstattliche Versicherung und die Rundmail gegen mich vertuscht wurden. Alles was folgte, war wie zu Nazi- und Stasizeiten und so funktioniert auch die Justiz. Man wollte mich mit allen Mitteln wegsperren, dass die Verlogenheiten nicht rauskommen und man willes noch immer probieren. Der einzige Weg einen Menschen aus dem Weg zu räumen, ist ihm ein Etikett anzuheften und ihn dadurch lebenslänglich zu schaden. Mein Leben wurde dadurch komplett zerstört. Ich kann nur jeden warnen. Wer das System nicht kennt und wie ich damit von heute auf morgen konfrontiert wird, muss sich schützen und es niemals zulassen, dass ein Psychiater ins Spiel kommt. Diese finden immer was und sind befangen. Kein Gutachter schüttet sich seine eigene Goldgrube zu. Gutachter schreiben für Gerichte.

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14.08.2013 17:50 Uhr

Weggesperrt ohne Grund

Ich wurde monatelang aufgrund falscher eidesstattlicher Versicherung und der frechen Unterstellung eines "Gutachters" eingesperrt und misshandelt. Ich musste mit ansehen wie Menschen unter Medikamente gesetzt wurden ohne dass sie was gemacht hatten. Ich wurde wie ein Stück Scheiße behandelt und von heute auf morgen kriminalisiert. Das hat mir ein Spandauer Orthopöde angetan mit seinen verlogenen Angaben und seinen eingekaufte Leuten im Umfeld inkl. einer enthusiastischen Polizeibeamtin. Seine Freunde im Sport sorgten für die Verbreitung einer Rundmail gegen mich, um mich zukünftig von allen Sportveranstaltungen auszuschließen. Der Betrug im Gerichtssaal, die nicht erfolgte Strafanzeige gegen ihn verhalfen ihm zu weiteren kriminelleren Anschuldigungen. Die betrogene Lebenspartnerin ließ sich zwei falsche Arztatteste ausstellen und hat aufgrund ihrer Abhängigkeit, Eifersucht und psychologischen Verdrängung mit gelogen. Das Strafgesetzbuch wurde mehrfach durchlaufen und das Gericht hat NIE nu eine Angabe von ihm geprüft, so dass ich im Psychoknast landete und erst vor den Verhandlungen durch eine weitere Gutachterin entlassen wurde. Die Denunzierung und Stigmatisierung hat hervorragend geklappt. Wenn dieser Fall neu aufgerollt wird, dann ist es wie bei Mollath und hoffentlich landen er und viele andere wegen Rechtsbeugung etc. im Gefängnis. Mein Zusammenbruc erfolgte 6 1/2 Wochen später mit Herzdruckmassage. Ich hoffe für Gustl Mollath dass er keinen Herzanfall bekommt. Das Trauma kommt erst später raus. Die deutsche Justiz ist ein verlogenes und teils kriminelles System Ich schäme mich deutsche Staatsbürgerin zu sein. Anwälte, Richter, Staatsanwälte, Gutachter können machen was sie wollen und stopfen sich ihre Rachen voll. Ich hoffe es geht ein Ruck durch du Richter werden genau vom Amt entlassen im Hauruckverfahren, genauso wie sie mich und Andere im Hauruckverfahren eingesperrt haben. Ich komme ursprünglich aus dem Lehramt mit abgeschlossenem Sportstudium etc., habe viele Jahre im Sportbereich gearbeitet und musste mich wegen einem Seitensprung des Arztes zur Stalkerin denunzieren lassen Die karrieregeile Staatsanwältin und andere haben fleißig mitgedreht, dass die falsche eidesstattliche Versicherung und die Rundmail gegen mich vertuscht wurden. Alles was folgte, war wie zu Nazi- und Stasizeiten und so funktioniert auch die Justiz. Man wollte mich mit allen Mitteln wegsperren, dass die Verlogenheiten nicht rauskommen und man willes noch immer probieren. Der einzige Weg einen Menschen aus dem Weg zu räumen, ist ihm ein Etikett anzuheften und ihn dadurch lebenslänglich zu schaden. Mein Leben wurde dadurch komplett zerstört. Ich kann nur jeden warnen. Wer das System nicht kennt und wie ich damit von heute auf morgen konfrontiert wird, muss sich schützen und es niemals zulassen, dass ein Psychiater ins Spiel kommt. Diese finden immer was und sind befangen. Kein Gutachter schüttet sich seine eigene Goldgrube zu. Gutachter schreiben für Gerichte.

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14.08.2013 15:50 Uhr

Sehr richtig

Ich könnte es nicht besser formulieren

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14.08.2013 12:05 Uhr

Das haut dem Fass den Boden raus

der Artikel wird der Realität nicht gerecht. Mitnichten war es die Justiz, die mit ihrer "Selbstreinigungskraft" zum Wiederaufnahmeantrag geführt hat.Mitnichten hat Gustl Mollath seine vollständige Rehabilitation wiedererlangt. Es war der öffentliche Druck in Zusammenhang mit einem der besten Anwälte Deutschlands, die diesen Teilerfolg möglich gemacht haben. Und es war auch die Angst der Machthabenen,bei einer oder mehrerer Wahlen Verluste erleiden zu können. Soviel zur Unabhänigkeit der Justiz. Dem Fass den Boden aus schlägt aber, einen Menschen, der sich der Scheinwissenschaft der Psychatrie und ihren schlimmsten Auswirkungen nicht unterwirft als bockig zu bezeichen. Das ist eine Verhöhnung der Opfer. Ich schreibe das bewußt im Plural. Gustl ist zwar jetzt draussen, aber es gibt noch viele, die ob "bockig" oder nicht, unschuldig gegen ihren Willen weggesperrt sind. Das System bedarf der gründlichen Überprüfung. Wielleicht schreibt die Südwestpresse mal darüber was, ohne Opfer des Sytemes zu verhöhnen, sondern aufzeigend, dass Gustl Mollath kein Einzelfall war und ist.

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Themenschwerpunkt

Der Fall Mollath

Jahrelang saß Gustl Mollath nach einem umstrittenen Gerichtsurteil in der Psychiatrie. Für die bayerische Justiz galt er als wahnsinnig und gefährlich für die Allgemeinheit. Seit August 2013 ist Mollath frei, der Prozess wird neu aufgerollt.

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