Leitartikel Schule: Qualität zuerst

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Andreas Böhme  Foto: 

Große Ferien, endlich. Und die Bildungspolitik, zumindest auf den ersten Blick, wird glatt versetzt. Nach fünf Jahren grün-roter, schon personell nicht immer konsistenter Veränderungen und der mitunter schrillen Kritik aus dem schwarz-gelben Oppositionslager scheint Ruhe  einzukehren; die neue CDU-Kultusministerin Susanne Eisenmann setzt auf Pragmatismus. Und da gehört dazu, die bisherige Linie unaufgeregt weiterzuführen. Für manchen  Christdemokraten kommt die beginnende Konsolidierungsphase zwar einem Verrat am Wahlprogramm gleich, aber bald werden alle begreifen, dass die Zeit für ideologische Strukturdebatten abgelaufen ist.

 War deshalb alles gut, was ihr SPD-Amtsvorgänger Andreas Stoch auf den Weg gebracht hatte? Jein. Ohne Frage hat die alte Regierung mit all den Debatten um Säulenmodelle, Inklusion, demografischen Wandel und regionale Kooperationen tief in die Strukturen eingegriffen und der Abstimmung mit den Füßen weg von der Hauptschule Rechnung getragen.  Sie hat ihr Lieblingskind Gemeinschaftsschule etabliert, den Ganztagsunterricht ausgeweitet und nicht zuletzt Lehrerstellen ins System gepumpt wie kaum eine andere Regierung zuvor. Jetzt ist erkennbar, dass die neuen Strukturen einerseits gleich für mehrere  Legislaturperioden taugen, andererseits aber die Debatte darüber vernachlässigt wurde, wann und wie gut  Kinder rechnen, lesen und schreiben können müssen.

Viel hilft eben nicht viel, immer mehr Lehrer, immer mehr Ausgaben sorgen nicht automatisch für ein höheres Niveau. Die jüngste Vera-Studie hat gezeigt: Um die orthografischen und mathematischen Kenntnisse ist es in vielen Schulen miserabel bestellt. Es mangelt erheblich an Grundfähigkeiten, ohne die ein wirtschaftsstarkes Land wie der Südwesten nicht bestehen kann.

 Eine nahtlose Fortführung der bisherigen Schulpolitik kann und darf es also nicht geben. Der Paradigmenwechsel fort von der Struktur- und hin zu einer Qualitätsdebatte ist dringend notwendig. Auch dazu hat allerdings schon die alte Regierung Anstöße gegeben. Die neuen, detaillierteren Bildungspläne gehören ebenso dazu wie die ausgeweitete Stundentafel für die Grundschule. Denn gerade sie war das Stiefkind der Schulpolitik,  dabei ist sie der heterogenste von allen Schultypen und leistet obendrein immer mehr Erziehungsarbeit,  bei den Schülern und häufig genug auch bei deren Eltern.

Die Grundschullehrer legen das Fundament für den weiteren Schulerfolg, deshalb gilt es, gerade sie bei Laune zu halten durch Fortbildung und Angleichung in der Bezahlung. Außerdem kommt es wesentlich auf die Schulleitung an:  Es liegt in ihrer Macht, wie motiviert und veränderungsbereit das Kollegium ist, sie entscheidet letztlich, ob eine Schule gut ist oder nicht. Die vielen nur notdürftig besetzten Rektorenstühle  und die Schwierigkeit, überhaupt geeignete Kandidaten zu finden, sind alarmierend. Dringend notwendig wäre, sich mit den Kommunen darüber zu verständigen, wie Schulsekretariate und Verwaltungsassistenten effektiver als bisher die Pädagogen entlasten.

 Es ist also noch Raum für Neues, und Eisenmann hat gute Chancen, eine eigene Handschrift zu zeigen: Im Gegensatz zur den kurzen Amtsperioden ihrer Vorgänger Andreas Stoch oder, noch kürzer,  Marion Schick kann sie auf eine volle Legislaturperiode setzen. Vor allem aber gibt es kein Parteiengezänk mehr über die  Notwendigkeit der Qualitätsdebatte. Das hebt am Ende nicht nur die Schulbildung,  sondern auch die Bildungspolitik.

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