LEITARTIKEL · STROMPREIS: Sparen statt jammern

|

Energie so umweltfreundlich wie möglich erzeugen und so effizient wie möglich nutzen - das sind die Ziele der Energiewende. Rasch wird dies nicht erreicht. Aber es gibt dazu absehbar keine Alternative.

Was heißt das? Die Art der Energieproduktion verändert sich massiv. Sie wird dezentral. Je näher sie an die Abnehmer rückt, desto weniger Verluste entstehen. Zudem lässt sich die entstandene Wärme nutzen. Und natürlich kostet es Geld, die Energiegewinnung von den Füßen auf den Kopf zu stellen.

Begleitet wird diese grundstürzende Veränderung unseres Lebens und Wirtschaftens zunehmend von düsteren Prognosen. Die Stromkosten explodieren; es droht die Deindustrialisierung, schimpfen Wirtschaftsverbände. 100 000 Bedürftige können ihre Stromrechnung nicht mehr bezahlen, jammern Sozialverbände. Grund der Klage: Bis August erhöhen mehr als die Hälfte der 900 Stromanbieter ihre Preise - um 1,8 bis zu satten 13,6 Prozent.

Mit dem Ausbau erneuerbarer Energieanlagen lässt sich diese Preisrunde nicht rechtfertigen. Die Umlage zur Vergütung dieses eingespeisten Stroms ist im Januar um 0,06 Cent pro Kilowattstunde gestiegen. Ein vierköpfiger Privathaushalt, der 4000 Kilowattstunden im Jahr verbraucht, muss dafür 2,95 Euro mehr bezahlen als 2011. Dennoch macht die sogenannte EEG-Umlage 13,6 Prozent der Stromrechnung aus. Das ist kein Pappenstiel für Klein- und Mittelbetriebe, Gewerbe, Handel und Privatleute. Sie sind die Zahlmeister des Umbaus der Energieerzeugung.

Doch dies ist politisch gewollt. Die Bundesregierung hat in den vergangenen Jahren an so vielen Stellschrauben in dem komplexen Gefüge der Stromerzeugung und Strompreisgestaltung gedreht, dass vor allem Kleinverbraucher die Kosten tragen. Das ist zutiefst mittelstands- und bürgerfeindlich. Da gibt es für Großverbraucher satte Nachlässe auf die EEG-Umlage. Seit August 2011 zahlen Großkunden zudem weitaus weniger für den Stromtransport. Das erhöht das Netzentgelt für Kleinkunden. Kein Interesse haben die großen Netzbetreiber daran, für Wind- und Solarstrom gute Preise beim Verkauf an der Börse zu erzielen. Bezahlt sind diese Kilowattstunden ja schon durch die EEG-Umlage. Die meisten sind Töchter der großen Energiekonzerne. Und diese verdienen vor allem Geld, wenn ihre Kraftwerke auf Hochtouren laufen. Hinzu kommt, dass die Behörden allen Stromversorgern in immer kürzeren Abständen neue Vorschriften auferlegen. Ihre Umsetzung treibt den Strompreis genauso in die Höhe wie höhere Ausgaben für Rohstoffe.

Kurzum: Die Bundesregierung wie die Bundesländer sind ein Jahr nach dem Start ihrer Energiewende nicht in der Lage, ein auch nur halbwegs schlüssiges Konzept für eine dezentrale Energieversorgung zu beschließen. Wenn der Politik dies nicht gelingt, sollte sie wenigstens die Hürden abbauen, die einen Umstieg torpediert. Dazu gehört etwa das moderate Senken der Einspeisevergütung für Solarstrom. Vorhandenen und künftigen Kraftwerksbetreibern ist kundzutun, was sie für das Vorhalten ihrer Anlagen erhalten. Die einseitige Belastung der Bürger und des Mittelstands ist zu beenden. An das Wagnis, die Strompreiserhöhung zu bezweifeln, traut sich ohnehin kein Politiker mehr.

Die Zahlmeister der schwarz-gelben Politik haben daher alles Recht, deren Folgen zu beklagen. Doch wer es dabei belässt, folgt der Politik in ihre Schockstarre und zahlt und zahlt. Dabei kann jeder Energie sparen und effizienter einsetzen. Längst gibt es etwa Gefrierschränke oder Pumpen, die ein Zehntel des Stroms ihrer Vorgänger fressen. Weniger Energie verbrauchen heißt: mehr Lebensqualität am Arbeitsplatz, zu Hause und mehr Geld im Beutel.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Zwölf Namen für die neuen Ulmer Straßenbahnwagen

Die neuen Straßenbahnwagen der Linie 2 werden nach Männern und Frauen benannt, die mit Ulm in Verbindung stehen. So war es auch schon beim Combino. weiter lesen