LEITARTIKEL · RUNDFUNK: Sender-Kultur

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Der Gefällt-mir-Knopf, mit dem die Facebook-Freunde die Welt sortieren, ist so neu nicht. Fernsehzuschauer bewerten schon lange mit der Fernbedienung zappend das TV-Programm. Die Quote zählt - das realisieren gerade auch die Titanen Harald Schmidt und Thomas Gottschalk. "Dirty Harry" hat von Sat1 schon die Kündigung erhalten, und für den blondgelockten Vorabend-Talker naht bald die Stunde der Wahrheit, denn auch die ARD steht unter Publikumsdruck, was in der Unterhaltungssparte nur konsequent ist.

Die gebührenfinanzierten öffentlich-rechtlichen Anstalten haben allerdings, im Gegensatz zu den privat-kommerziellen, ganz andere Aufgaben, als mit superteurem Promi-Spektakel aufzuwarten. In der Debatte um die Sparziele des Südwestrundfunks (SWR) und den Vorschlag des Intendanten Peter Boudgoust, aus Kostengründen seine beiden international renommierten Sinfonieorchester zu fusionieren, muss an den Kulturauftrag der Sender erinnert werden.

Bis 2020 muss der SWR, der über einen Jahresetat von 1,1 Milliarden Euro verfügt, rund 166 Millionen Euro einsparen. Gleichzeitig sorgt sich Boudgoust zu Recht um den Rückhalt seines Senders in der Gesellschaft. Er sagt: "Nur wenn unsere Programmangebote in Hörfunk, Fernsehen und Internet unverzichtbar bleiben für die Menschen, werden sie auch weiterhin ihren Solidarbeitrag für ihren SWR leisten."

Man reibt sich die Augen: "Solidarbeitrag"? Nein, es geht nicht um einen "Aufbau SWR", höchstens, siehe die Pläne zur Orchesterfusion, um blühende Klanglandschaften. Tatsächlich drückt der Mediennutzer im Lande vielleicht die Einschalttaste seines Fernsehgeräts, aber nicht primär seine Solidarität mit dem Südwestrundfunk aus. Denn er zahlt, zwangsläufig. Von 2013 an wird die Rundfunkgebühr durch eine pauschale Haushaltsabgabe ersetzt und mutiert quasi zur Kopfsteuer. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk wird damit endgültig in seiner Staatlichkeit erkennbar. Denn was man leicht vergisst in der Diskussion, wie viel Kultur kosten darf: Die öffentlich-rechtlichen Sender erhalten derzeit rund 7,6 Milliarden Euro Rundfunkgebühren, und das ist annähernd die Summe, mit der in der Bundesrepublik von Staat und Kommunen die gesamte Kultur gefördert wird - Theater, Museen, Bibliotheken, Volkshochschulen . . .

Das ist viel Geld, und damit müssen die öffentlich-rechtlichen Sender die "Grundversorgung" sicherstellen - nicht nur im Bereich Unterhaltung oder Sport (ein dreistelliger Millionenbetrag für Olympia-Übertragungsrechte!), sondern auch in der Kultur, was nicht zuletzt das Bundesverfassungsgericht festgestellt hat. Der Rundfunk ist deshalb kein Mäzen, der gnädig Orchester unterhält und Freunde der klassischen Musik beglückt. Es ist, im Gegenteil, die Gesellschaft, die sich einen Rundfunk leistet, der ihrem Wunsch nach Kultur und Information nachgeht. Was im Übrigen bedeutet, dass zum Beispiel das Radio-Sinfonieorchester Stuttgart nicht nur in den Metropolen des Landes konzertieren sollte.

Und wenn der Normalbürger weniger Hochkultur forderte? Dann müsste eher darüber verhandelt werden, warum der Staat den Öffentlich-Rechtlichen den Etat garantiert, wo doch die Privaten dem anspruchsloseren Nutzer selbst niederste Dienstleistungen gratis, also werbefinanziert, nach Hause liefert.

Kurzum: Es geht um die Qualität, in der Kultur und vor allem auch im Bereich Information und Hintergrund. Und wenn der zwischen Stuttgart und Baden-Baden aufgeteilte SWR mehr an der Verwaltung sparte und als subventionierter Sender im Internet den privat finanzierten Zeitungsverlagen nicht Konkurrenz machte, wäre auch mehr Geld fürs Kulturprogramm verfügbar.

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