LEITARTIKEL · G-8-GIPFEL: Im Schatten Syriens

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Während seine Kollegen beim obligatorischen "Familienfoto" zum Abschluss des G-8-Gipfels ein breites "Friede, Freude, Eierkuchen"-Lächeln aufsetzten, blickte Wladimir Putin mit versteinerter Miene in die Kameras. Das Bild bestätigte die Ansicht des kanadischen Premierministers Stephen Harper, dass es nicht ein Gipfel der G 8 sondern der "G 7+1" gewesen war.

Mag der russische Staatschef in Lough Erne mit der Unterstützung des Diktators Assad auch auf einsamen Posten gestanden haben, so steht er mit dem Widerstand gegen eine militärische Hilfe für die syrischen Rebellen gewiss nicht allein. Ausgerechnet der prominente Londoner Bürgermeister Boris Johnson, der als Nachfolger seines Parteifreundes David Cameron gilt, warnte eindrücklich davor, "Fanatiker und die Strolche der Al-Kaida" mit Waffen zu versorgen. Und auch Kanzlerin Angela Merkel hält ganz und gar nichts von einer militärischen Lösung des Konflikts.

Um seinen Frust abzukühlen, dass der Gipfel sich nur zu einer lahmen Erklärung auf der Basis des kleinsten gemeinsamen Nenners zu dem Konflikt in Syrien verständigen konnte, nahm Cameron in aller Herrgottsfrühe ein Bad in dem eiskalten See vor dem Hotel. Wenigstens damit stahl er Putin, der für diese Körperertüchtigung berühmt ist, die Show. Der russische Präsident lag ebenso noch im Bett wie Barack Obama, der sich wohl für den Ausflug nach Berlin ausschlief.

Verhandlungen im kleinen Kreise sind nicht die Sache des amerikanischen Präsidenten. Er liebt die großen öffentlichen Auftritte wie zuvor vor Schülern in Belfast, wo ihn die zumeist jungen Zuhörer seiner glänzenden Rede wie einen Popstar feierten. In puncto Syrien hielt sich Obama jedoch ziemlich bedeckt. Ausgerechnet Nordirland lobte er als Vorbild für die Lösung von Konflikten in aller Welt. Vielleicht fiel ihm später ein, dass es 30 oder wenn man will sogar 300 Jahre dauerte, bis dieses von Krieg und Terror gepeinigte Land zur Ruhe kam.

Obamas merkwürdiger Zwiespalt - zum einen die Rebellen militärisch zu unterstützen, zum andern nicht "in noch einen Krieg im Nahen Osten zu hasten" - und Putins Entschiedenheit verhinderten, dass Camerons Gipfel zu einer klaren Entscheidung für Waffenlieferungen kam. Der britische Premierminister hatte die Latte zu hoch gehängt, als er Syrien zum außenpolitischen Thema des Gipfels machte. Es überschattete die ehrgeizige Hauptagenda von Lough Erne, die Cameron als "TTT" bezeichnete: "Trade" (Handel), "Tax" (Steuern) und "Transparency" (Transparenz).

Angesichts des Gerangels um eine Übereinkunft zu Syrien und der mühsamen Wortklauberei für die schlussendlich vereinbarte gemeinsame Erklärung, wurde nicht gebührend gewürdigt, dass der "TTT"-Gipfel tatsächlich kreißte und ein paar prächtige Mäuse gebar. So schlug hier die Geburtsstunde für das größte bilaterale Handelsabkommen in der Geschichte als sich die USA und die EU für die Schaffung eine transatlantische Freihandelszone verpflichteten. In seinem Jubel darüber kann Cameron allerdings nur hoffen, dass Großbritannien noch in der EU ist, wenn dieses Baby das Laufen lernt.

Die G 8 setzte Richtlinien fest, mit denen die Steuerflucht internationaler Großunternehmen verhindert werden soll. Großbritannien ist dabei mit gutem Beispiel vorangegangen und hat seine überseeischen Territorien zu fiskalischem Wohlverhalten vergattert. Das nützt vor allem den Entwicklungsländern, denen jährlich auf 200 Milliarden Euro geschätzte Steuereinnahmen vorenthalten werden.

Der Gipfel hat zwar nicht das Blutvergießen in Syrien beendet, er hat aber damit wenigstens ein Signal im Kampf gegen die Armut in der Welt gesetzt.

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