Kommentar zu Lebenskrisen im Job: Ins Gespräch kommen

Privatleben hat im Job nichts zu suchen, heißt es. Doch wenn Lebenskrisen die Leistungsfähigkeit berühren, sollten Chefs sensibel reagieren. Ein Kommentar von Hajo Zenker.

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Hajo Zenker Märkische Oderzeitung  Foto: 

Eine Lebenskrise ist nicht unbedingt ein Thema, das man mit seinem Chef erörtern möchte. Dennoch wird dieser darauf zu sprechen kommen. Wenn er ein guter Chef ist und erkennt, dass sein Mitarbeiter gerade nicht er selbst ist und Hilfe braucht. Denn wem der Partner gestorben ist, wer gerade sein Kind in der Krebsbehandlung hat, wird kaum einen klaren Gedanken für die Arbeit finden.

Dass es hier nicht um ein Randthema geht, zeigen die Zahlen. Psychische Erkrankungen nehmen seit Jahren zu. Und angesichts der demografischen Entwicklung ist klar: Mehr Ältere im Betrieb heißt auch mehr Lebenskrisen im Betrieb. Die AOK-Umfrage hat übrigens gezeigt, dass es gerade die kleinen Unternehmen mit unter zehn Mitarbeitern sind, in denen bisher besondere Sprachlosigkeit herrscht. Das mag mit eher rustikalen Umgangsformen im Handwerk zu tun haben. Aber auch dort wird man um mehr Sensibilität nicht herumkommen. Menschliche Krisen können auch zu wirtschaftlichen Krisen werden. Gerade in Zeiten des Fachkräftemangels. Schließlich dauern Krankschreibungen wegen psychischer Probleme besonders lange.

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Kommentare

15.09.2017 17:21 Uhr

Dialektik notwendiger Aufklärung eines Patienten vonseiten eines Psychiaters

Wenn es richtig ist, dass ökonomisch-gesellschaftliche Mechanismen den Einzelnen körperlich unumkehrbar entziehen, sobald Dritte auf dessen Wesen falsch zugreifen, müsste daraus zwingend der Schluss gezogen werden, die jeweiligen Konsumformen (siehe zum Begriff: Wittemann, in: SOFI-Mitteilungen 23/1996) entsprechend tiefgreifend zu ändern, damit die Lebensnot (Adorno, 1993: 188) nicht ins Unerträgliche hinein eskaliert. Anzusetzen ist demnach zuvörderst nicht beim Patienten, der dadurch mitunter psychisch schwer erkrankt ist, sondern es kommt vorrangig darauf an, beispielsweise seine ihm ohnehin unveräußerlich von Natur aus gegebene Arbeitskraft nicht für die Reproduktion von schieren Hirngespinsten zu nutzen. Suchen also in ihrer Gesundheit manchesmal extrem eingeschränkte Menschen den Fehler bei sich, werden sie schon aus systematischen Gründen niemals fündig werden. Die zentrale Aufgabe eines Psychiaters besteht somit darin, die von ihm zu behandelnden Personen darüber aufzuklären, um die Auswege aus dem circulus vitiosus offen zu halten und die Chancen auf eine Heilung zu wahren. Ansonsten steht in der Tat zu befürchten, dass aus einer individuellen Lebenskrise heraus gesellschaftlich eine veritable Wirtschaftskrise erwächst, weil die zu allen Zeiten immer nur sehr eng begrenzt verfügbaren Ressourcen massenhaft für blanken Unfug vergeudet werden.

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