Kroatien spionierte Zeugen aus

Der kroatische Verfassungsschutz schnüffelte UN-Funktionäre aus. Sie waren Belastungszeugen in Prozessen gegen kroatische Kriegsverbrecher.

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Der kroatische Verfassungsschutz hat vor einem Kriegsverbrecherprozess offenbar gezielt Material gegen Belastungszeugen zusammengetragen, auch gegen prominente Uno-Funktionäre. Das geht aus einer Anweisung des Vize-Direktors der "Agentur für Gegenaufklärung" (POA) an die operativen Stellen des Dienstes hervor. Die Agenten sollten Daten sammeln, die "die Glaubwürdigkeit der Zeugen erschüttern können", heißt es wörtlich in einer Anweisung vom 6. März 2006. Besondere Aufmerksamkeit sollten die Spione "verfassungswidrigen und illegalen Aktivitäten" sowie "psycho-sozialen und medizinischen Merkmalen und Abweichungen" schenken.

Unter den 113 namentlich genannten Objekten auf einer Liste finden sich auch die frühere finnische Präsidentschaftskandidatin Elisabeth Rehn, der damalige Chef der Uno-Zivilmission Cedric Thornberry und etliche hohe kanadische Militärs, viele mit Adresse und privater Telefonnummer. Die Liste liegt dieser Zeitung vor.

Die 113 Personen waren im Verfahren gegen drei kroatische Generäle vor dem Kriegsverbrechertribunal in Den Haag als Zeugen der Anklage nominiert. Fünfzig von ihnen waren Ausländer. Die frühere finnische Präsidentschaftskandidatin Elisabeth Rehn, die ausgesagt hatte und als Nummer 50 auf der Liste erscheint, nennt den Vorgang "unglaublich". Sie fühle sich "in einen James-Bond-Film versetzt".

Ins Visier des Geheimdienstes gerieten dann offenbar vornehmlich Zeugen der Kriegsverbrechen aus dem Lande selbst, unter ihnen zwei über 70-jährige Bäuerinnen aus einem serbischen Dorf. Mit besonders heftigen Anschuldigungen im Prozess wie in der Öffentlichkeit sah sich im Anschluss an den Geheimdienstauftrag der Zeuge Nr. 60 konfrontiert. Der Kroate Vladimir Gojanovic hatte die drei angeklagten kroatischen Generäle im Prozess beschuldigt, sie hätten verlassene Häuser von Serben geplündert und angezündet sowie einen Kriegsgefangenen ermordet. Nachdem er ausgesagt hatte, tauchten plötzlich vier Zeugen auf, die behaupteten, Gojanovic habe bei den Verbrechen gar nicht zugegen sein können.

Nach dem Schlagabtausch vor Gericht fühlte sich der Zeuge "medial gelyncht". Nach seiner Rückkehr aus Den Haag und dem Ende seines Zeugenschutzes wurde der damals 38-Jährige in seiner Heimatstadt Sibenik zusammengeschlagen und schwer verletzt.

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Kommentare

06.04.2013 23:15 Uhr

Antwort auf „Verantwortlicher: Karamarko”

Serbien ist und bleibt ein Problem!

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