Krachende Niederlage für Hillary Clinton

Deutliche Siege für die beiden Favoriten: Donald Trump und Bernie Sanders haben die Vorwahlen in New Hampshire für sich entschieden. Mit einem Kommentar von Peter De Thier: US-Wahl: Wachgerüttelt.

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Stimmabgabe für die Vorwahl der US-Präsidentschaftskandidaten - hier in Loudon, New Hampshire.  Foto: 

Acht Tage nach den ersten Wählerversammlungen im US-Bundesstaat Iowa sind im Rennen um die Kandidatur für die US-Präsidentschaft die Karten neu gemischt. Bei den Demokraten riss der linksgerichtete Senator Bernie Sanders in New Hampshire das Ruder herum und siegte mit klarem Abstand vor der ehemaligen Außenministerin Hillary Clinton. Sensationeller ist bei den Republikanern das klare Ergebnis zugunsten des Milliardärs Donald Trump, der Ohios Gouverneur John Kasich besiegte.

New Hampshire stellt bei den Demokraten gerade 24 und bei der Oppositionspartei 23 der Delegiertenstimmen, die für die Nominierung erforderlich sind. Beide Kandidaten haben aber mit ihren symbolisch wichtigen Siegen für die kommenden Abstimmungen, insbesondere den "Super Tuesday" (1. März), an dem gleichzeitig in vielen Bundesstaaten gewählt wird, kräftigen Auftrieb erhalten.

Für Sanders geht es neben dem Schwung, mit dem er nach South Carolina weiterreist, auch um Geld. Sein überzeugender Sieg wird neue Wählerschichten mobilisieren und Millionen Dollar in die Kasse des "demokratischen Sozialisten" spülen, der im Schnitt von jedem Spender 27 Dollar (24 Euro) bekommt. Trump, der seine Kampagne größtenteils selbst finanziert, ist nicht auf Spenden angewiesen. Ihm geht es darum, starke Umfragewerte in Stimmen umzusetzen und damit die Legitimität seines Anlaufs auf den Chefsessel im Weißen Haus zu unterstreichen.

Besonders bitter ist die Niederlage für Hillary Clinton. Vor acht Jahren hatte sie in Iowa im Duell gegen Barack Obama den Kürzeren gezogen, konnte dann aber mit einem Sieg in New Hampshire ihrer Kampagne neues Leben einhauchen. Ähnlich war es 1992 ihrem Ehemann Bill ergangen, der bei der Auftaktveranstaltung in Iowa deutlich unterlag, dann aber in New Hampshire einen starken zweiten Platz belegte. Entscheidend war diesmal aber letzten Endes die Überlegenheit des 74-jährigen Senators unter jungen Wählern. Mehr als 80 Prozent von ihnen schenkten dem Kandidaten, der für ein gebührenfreies Studium und staatlich finanzierte Krankenversicherung für alle Bürger plädiert, ihre Stimme. Im Clinton-Lager wird nun überlegt, ihre Kampagne inhaltlich und personell von Grund auf umzukrempeln.

Trump wiederum hat bewiesen, dass seine populistischen und aggressiven Parolen nicht die Wähler abschrecken, wie es Beobachter seit Monaten vorhergesagt hatten. Überzeugen konnte er mit seinem Versprechen, sich für Durchschnittsbürger einzusetzen, eine deutlich schärfere Gangart gegen die Terrormiliz IS einzuschlagen und illegaler Einwanderung einen Riegel vorzuschieben. Nach seinem Sieg präsentierte er sich denn auch ungewohnt staatsmännisch: Als Präsident werde er sachlicher und akademischer auftreten. Bemerkenswert ist die Breite des Erfolgs. Trump profitierte nicht von einzelnen Wählerschichten.

Der große Gewinner des Abends könnte jedoch Ohios Gouverneur John Kasich sein. Der moderate Außenseiter, der in Umfragen weit abgeschlagen war, hatte nicht weniger als 100 Bürgerversammlungen abgehalten und mehr Zeit als jeder andere Kandidat in New Hampshire verbracht. Der Einsatz zahlte sich mit einem zweiten Platz aus, wobei fraglich ist, ob Kasich ähnliche Ergebnisse in den konservativen Südstaaten erzielen kann. Auch der Vertreter der Tea-Party-Bewegung, Ted Cruz, der den liberalen Neuenglandstaat praktisch abgeschrieben hatte, konnte Jeb Bush und Marco Rubio ausstechen. Cruz wird in den Südstaaten mit ihrem hohen Anteil religiöser Evangelikaler wieder zu den klaren Favoriten zählen. Auf beiden Seiten bleibt alles offen, klare Spitzenreiter dürften sich frühestens am "Super Tuesday" zeigen.

Kommentar von Peter De Thier: US-Wahl: Wachgerüttelt

Lange hatte niemand glauben wollen, dass man den bombastischen Selbstdarstellungskünstler Donald Trump als Kandidaten ernst nehmen muss. Die populistischen Parolen, die nicht selten in persönliche Beleidigungen ausarten, wurden immer heftiger, dennoch legte der Milliardär in Umfragen zu. Dass Wähler Sporthallen füllen, um ihn reden zu hören, liege nur daran, dass sie "die große Show" live erleben wollten. Niemals werde sich die Popularität in einen Wahlsieg umsetzen lassen, dachte man.

Falsch. Plötzlich ist Trump keine Lachnummer mehr. Sein Sieg in New Hampshire hat dem Kampf um die Nachfolge Barack Obamas Spannung verliehen. Trump redet so, wie ihm der Schnabel gewachsen ist und er artikuliert Sorgen von Bürgern, die in dem politisch korrekten Dialog der etablierten Kandidaten, untergehen. Viele Amerikaner haben Angst vor illegalen Einwanderern, die sie den Job kosten könnten. Sie sorgen sich vor einem Terrorangriff auf heimischem Boden und ärgern sich, dass reiche Spender Wahlsieger bestimmen und deren Politik beeinflussen.

Für alles bietet Trump eine Lösung. Seine Vorschläge sind oberflächlich und provokativ, doch er sagt, was Wähler hören wollen. So unterschiedlich ihre Ideen auch sind: er und Bernie Sanders haben die Mitbewerber und deren Sponsoren wachgerüttelt. Selten war der Ausgang einer Präsidentschaftswahl so ungewiss. Die etablierten Kandidaten müssen umdenken.

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