Kommentar: Schlechter Zeitpunkt

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Autorenfoto Könneke Volkmar  Foto: 

Deutschland und die übrigen Nato-Partner sehen sich mit der Forderung konfrontiert, ihre Truppen in Afghanistan aufzustocken. Gut zwei Jahre nach dem offiziellen Ende der bis dahin 13 Jahre währenden Mission holt der Krieg am Hindukusch die deutsche Politik erneut ein. Für Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen, die angesichts der Terrorzelle in der Bundeswehr um ihr politisches Überleben kämpft, kommt das Ansinnen der US-Regierung zum denkbar schlechtesten Zeitpunkt.

Es gibt Gründe, das militärische Engagement zu verstärken. Die radikal-islamischen Taliban gewinnen angesichts der nach wie vor schwachen afghanischen Regierung an Boden. Und es gibt Hinweise, dass sich Kämpfer der Terrormiliz IS angesichts ihrer Geländeverluste in Syrien und im Irak nach Afghanistan und Pakistan zurückziehen. Beides ist eine Bedrohung für den Westen, doch die Lösung, deshalb eine ganze Region militärisch unter Kontrolle zu halten, kann nicht von Dauer sein.

Die Saat der Islamisten geht auf. Unter dem Schlagwort der imperialen Überdehnung versuchen sie seit dem 11. September 2001, westliche Streitkräfte in einen Abnutzungskrieg zu verwickeln, an dessen Ende nicht nur die afghanische Armee überfordert ist. Die USA haben sich mit der Asien-Pazifik-Region längst einem neuen Schauplatz zugewandt, auf dem das Problem Nordkorea oberste Priorität hat. Europäische Armeen stellen sich angesichts des Ukraine-Konflikts vermehrt auf die Landesverteidigung ein. Für weitere Interventionen fehlen die Kapazitäten. Eine gemeinsame Linie der Bündnispartner auf dem Gipfel ist in weiter Ferne – jeder wird versuchen, sich selbst zu retten.

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