Kommentar zur Bundeswehr in der Türkei: Überfällige Härte

|

Eine der hervorstechendsten politischen Eigenschaften von Angela Merkel ist Geduld. Krisen und Provokationen begegnet sie mit einem Langmut, der ihre Umwelt häufig als enervierend empfindet – man könnte auch sagen, sie sitzt sie aus. Oft genug ist diese Strategie von Erfolg gekrönt worden, oder doch von etwas, was kein offensichtlicher Misserfolg war. Anders beim Konflikt mit dem türkischen Präsidenten Recep Erdogan. Bisher jedenfalls scheint es so, als fühle sich Erdogan von der geduldig gesprächsbereiten Kanzlerin zu immer neuen Unverschämtheiten animiert.

Dass Erdogan sich selbst im persönlichen Gespräch mit Merkel nicht hat erweichen lassen, Bundestagsabgeordneten einen Besuch bei Soldaten ihres eigenen Landes zu gestatten, die von der Türkei aus am Kampf gegen die IS-Terroristen mitwirken, ist eine solche Unverschämtheit. Es ist daher höchste Zeit, ein klares Signal zu setzen, wie es Abgeordnete von CSU über SPD bis hin zu den Grünen nun tun. Ihre Forderung, die Bundeswehr notfalls aus Incirlik abzuziehen, geht in die richtige Richtung. Nicht nur, weil die Bundeswehr eine Parlamentsarmee ist. Sondern weil diese Drohung Erdogan nicht ganz kalt lassen dürfte. Immerhin ist nicht nur die Anti-IS-Koalition auf die Türkei angewiesen, sondern auch umgekehrt.

Die Bundesregierung darf nicht zulassen, dass Erdogan die deutschen Soldaten in Incirlik zu Geiseln seiner zunehmend emotional gesteuerten Politik macht. Merkel dürfte im Bilde darüber gewesen sein, dass Abgeordnete der Regierungsfraktionen den Ton gegenüber der Türkei verschärfen. Nun muss sie selbst ebenfalls signalisieren, dass ihre Geduld irgendwann erschöpft ist.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung
Kommentieren

Kommentare

11.07.2016 06:09 Uhr

BenediktG

Der türkischen Regierung wird kann es kaum entgangen sein, wie willfährig und "schwanzwendelnd" sich die deutsche Regierung für machtpolitische Interessen der USA und wer weiss noch "einsetzen" lässt. Da ist der Respekt verständlich längst auf der Flucht. Ihn jetzt einzufordern, ist inzwischen eher peinlich als glaubwürdig. Wer ernsthaftes Interesse an einer tragfähigen Hilfe für wirkliche Flüchtlinge hatt, wird keine Einladung in die Welt hinausposaunen, ohne klarzustellen, wer tatsächlich auf der "Gästeliste" steht. Er wird dann auch nicht panikartig die Haustür verrammelt und die ausperren, die wirklich Hilfe brauchen und nicht nur auf der Jagd nach Happen sind, die in Deutschland auch nur augenscheinlich so einfach zu haben sind.
Inzwischen hungert das Hauspersonal, damit die "Gaste" sich wohl fühlen können. Ein Schelm der Böses dabei denkt, wenn - wie zu erwarten - sich die "Eingeladenen" und das übervorteilte "Dienstpersonal" in die Haare kriegen. Da lässt es sich ungestört weiter in die Kasse greifen, auf der "Volksvermögen" steht.

Antworten Kommentar melden

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Liveticker: SSV Ulm 1846 Fußball gegen VfB Stuttgart II

Am Freitag um 19 Uhr empfängt der SSV Ulm 1846 Fußball den VfB Stuttgart II im Donaustadion. Alle Höhepunkte im Liveticker. weiter lesen