Kommentar Snowden Auslieferungsantrag: Eine Frage der Zeit

Ein Kommentar unseres Korrespondenten in Washington, Peter De Thier.

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Es war nur eine Frage der Zeit, bis die  US-Regierung in Hong Kong einen Auslieferungsantrag stellen würde . Doch damit ist die entscheidende Frage nicht beantwortet, nämlich ob Edward Snowden als Held oder Verräter einzustufen ist. Damit beschäftigt sich die Weltöffentlichkeit seit Wochen.

In den USA jedenfalls hat sich ein klarer, wenn auch nicht überragender Konsens herauskristallisiert: Das Negative überwiegt. Zwar mag es ehrenwert und ungeheuer mutig sein, dass  ein junger IT-Experte, der den Geheimdiensten wichtige Informationen im Kampf gegen den internationalen Terrorismus geliefert hat,  von seinem Gewissen geplagt wurde. Dass Snowden buchstäblich den Rest seines Lebens riskierte, um die zwielichtigen Überwachungsmethoden der Geheimdienstbehörde NSA bloßzulegen, wird von vielen bewundert. Doch Snowdens Prinzipientreue, das glauben die meisten Amerikaner, steht in keinem Verhältnis zu jenem Schaden, den er der nationalen Sicherheit zugefügt haben soll.

Das sehen natürlich die Geheimdienste und allen voran Präsident Barack Obama genauso. Dass Obama dem Maulwurf Snowden, wie dies einige Bürgerrechtler gehofft hatten, Strafmilderung oder gar Amnestie zusichern würde, war schlichtweg naiv. Der politische schwer angeschlagene Obama muss seinen Ruf als unnachgiebig im Kampf gegen den Terror wahren. So gesehen sind in dem größeren politischen Kontext Snowden, Wikileaks Gründer Julian Assange und andere, denen es vorrangig darum geht, Misstände aufzudecken, lediglich Bauernopfer und Sündenböcke. Man darf nun gespannt sein, welchen politischen und womöglich wirtschaftlichen Druck die US-Regierung ausüben wird, um Snowdens Auslieferung zu erzwingen. Es sei denn natürlich, die entsprechenden Absprachen sind in Wirklichkeit längst getroffen, nicht zuletzt mit Blick auf das prekäre und strategisch wichtige Verhältnis zwischen Washington und Peking. 
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