KOMMENTAR · TSCHECHIEN: Neue Hoffnung

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Die Tschechen trauen dieser Tage ihren Augen nicht. Dass ein Teil ihrer Politiker korrupt ist, war ihnen längst klar. Dass mafiaähnliche Banden das Land unter sich aufgeteilt haben, erstaunt ebenfalls niemanden mehr. Aber dass sich junge, unerschrockene Polizisten die Mühe machen, in diesem Geflecht zwischen Politik und organisiertem Verbrechen zu ermitteln, das ist neu für unsere Nachbarn. 20 Jahre lang waren solche Fahnder oft selbst Teil des Systems gewesen. Oder sie wagten es nicht, die Machenschaften in der verkommenen politischen Kultur des Landes aufzudecken.

Es war Petr Necas, der sie als erster Premierminister nach 20 Jahren Freiheit nachdrücklich aufforderte, ihrer Pflicht nachzukommen. Seine Regierung hatte sich den Kampf gegen die Korruption ganz oben auf die Fahne geschrieben. Dass Necas jetzt selbst mitten im Bestechungssumpf steckt, ist paradox. Denn gerade der Premier galt als sauber und unbestechlich.

Auch wenn das Drama an der Moldau für Necas persönlich eine tragische Note hat - die Aufklärung darf deshalb nicht verschleppt werden. Der kriminelle Sumpf muss trocken gelegt werden. Andernfalls droht Tschechiens Politik der schleichende Untergang.

Entscheidend ist jetzt, die Strukturen der Drahtzieher zu zerschlagen und die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen. Auch wenn die Ehrlichen unter den Prager Politikern in der Minderzahl sind und Necas womöglich durch einen Nachfolger ersetzt wird, der weit kompromittierter ist als er: die Hoffnung besteht, dass sich Polizei und Staatsanwaltschaft nicht mehr stoppen lassen werden.

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