KOMMENTAR · SCHAVAN: Die Richter haben das Wort

Der Rat der Philosophischen Fakultät der Uni Düsseldorf hat Annette Schavan den Doktortitel entzogen. Die Bundesbildungsministerin will dagegen klagen. Dann müssen die Richter urteilen. Ein Kommentar unseres Politikredakteurs Christoph Faisst.

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Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) will gegen den Entzug ihres Doktortitels durch die Uni Düsseldorf juristisch vorgehen.  Foto: 

Paukenschlag am Abend: Während viele erwartet hatten, der Rat der Philosophischen Fakultät der Uni Düsseldorf werde ein weiteres Gutachten zur Dissertation von Bildungsministerin Annette Schavan (CDU) einholen, machte das Gremium Nägel mit Köpfen: Es entzog der Ministerin den Doktortitel.

Das freut die Opposition und jene anonymen Jäger im Internet, die zum zweiten Mal mit Plagiatsvorwürfen ein Mitglied der Bundesregierung in die Bredouille gebracht haben. Dennoch könnten sich jene Politiker, gestern Schavans Rücktritt gefordert hatten, zu früh und zu weit aus dem Fenster gelehnt haben. Denn Schavan hat noch am Abend angekündigt, gegen den Entzug des Titels zu klagen. Das ist ihr gutes Recht und es muss noch einmal in aller Deutlichkeit gesagt werden: Bis zum Abschluss des Verfahrens gilt die Unschuldsvermutung. Ein Rücktritt der Ministerin ist damit ausgeschlossen.

Vorerst zumindest. Denn nun haben die Richter das Wort. Sie werden die heikle Aufgabe haben, nicht nur über ein etwaiges Fehlverhalten befinden zu müssen. Es sind auch Standards zu klären, die sogar unter Wissenschaftlern umstritten sind: Wann ist eine Doktorarbeit das wert, als das sie gemeinhin angesehen wird.

Bis dieses Gerichtsverfahren ein Ergebnis bringt, wird einige Zeit ins Land ziehen. Ob Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) im Wahljahr so lange warten will, wird sich zeigen.

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Kommentare

06.02.2013 08:20 Uhr

Unschuldsvermutung?

Was hat der aus dem Strafrecht stammende Begriff "UInschuldsvermutung" hier verloren? Frau Schavan ist keine Angeklagte in einem Strafprozess. Wenn es, wie hier, um den wissenschaftlichen Wert einer Doktorarbeit geht, sind Wissenschaftler doch wohl die denkbar kompetentesten "Richter". Sollen jetzt Juristen prüfen, ob die Doktorarbeit von Frau Schavan wissenschaftlichen Mindestansprüchen genügt? Das ist doch absurd. Die Aberkennung der Doktorwürde durch die Universität ist für Frau Schavan der worst case, da ist nichts mehr zu retten. Alles, was sie jetzt noch juristisch unternimmt, macht die Sache eher schlimmer und wird ihren letztlich unvermeidlichen Rücktritt nur hinauszögern.

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