Kommentar · RENTE: Modell im Einzelfall

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Wo soll denn die Reise in der Rentenpolitik nun eigentlich hingehen? Kaum zeigen die ersten Zahlen, dass sich die Rente mit 63 nach 45 Beitragsjahren als echter (und ziemlich teurer) Kassenschlager entpuppt, schlägt der Chef der Bundesagentur für Arbeit die Gegenrichtung ein. Die Rente erst mit 70 - freiwillig versteht sich - soll genauso möglich sein und angesichts des drohenden Fachkräftemangels gefördert werden.

Doch bisher fehlt es an entscheidenden Voraussetzungen. Da wäre der finanzielle Anreiz: Hinzuverdienen zur Rente ist erlaubt, aber zusätzliche Rentenpunkte kann der Arbeitende nicht ansammeln - obwohl der Arbeitgeber Rentenbeiträge zahlt. Es fehlt aber auch am erforderlichen Geist. Viele Betriebe stecken noch in den Kinderschuhen, geht es um die Anpassung an eine alternde Arbeitnehmerschaft: Tarifverträge, Arbeitszeiten und Abläufe sind nicht darauf zugeschnitten.

Doch selbst wenn Politik und Gesellschaft diese Punkte anpacken - für die Mehrheit der Beschäftigten ist Arbeit nach wie vor das, was sie immer schon war: Broterwerb. Der Run auf die Rente mit 63 zeigt, dass jede Möglichkeit zum abschlagsfreien Ausstieg genutzt wird. Das umgekehrte Modell mag im Einzelfall erstrebenswert sein. Dass Beinahe-Rentner künftig bei ihren Chefs Schlange stehen, um ihre Verträge zu verlängern, ist indes nicht zu erwarten. Es soll ja tatsächlich auch noch ein Leben nach der Arbeit geben.

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