KOMMENTAR · OBAMA: Mann des Wortes

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Barack Obama ist ein Mann der großen Rede. Er verpackt grundsätzliche Botschaften in einer den Zuhörern so zugewandten Weise, wie es wenigen Politikern gelingt. Er erreicht die Menschen. Ob - noch als Präsidentschaftskandidat - die 200 000 an der Siegessäule in Berlin vor fünf Jahren oder die vergleichsweise kleine Schar geladener Gäste gestern vor dem Brandenburger Tor. In der Geste, 50 Jahre nach seinem Vorbild John F. Kennedy aus Berlin ein Signal für eine friedliche und gerechte Welt zu senden, liegt gewiss der größte Wert dieses Besuches.

Doch trauen die Deutschen dem Friedensnobelpreisträger tatsächlich noch zu, auf dem Weg in diese neue, schönere Welt richtig voranzukommen? Leider verfestigt sich der Eindruck, dass er ein Mann der großen Verheißungen und der kleinen Fortschritte ist.

Denn selbst dieser charismatische Staatschef vermag nicht, das mit den Anschlägen im September 2001 unendlich gewachsene Misstrauen der Amerikaner zu überwinden. Der Rückzug von den damals unter seinen Vorgängern besetzten Schlachtfeldern ist mühsamer als gedacht. Das rechtlose Gefangenenlager in Guantánamo wurde bis heute nicht aufgelöst, die US-Geheimdienste entkräften mit ihren Big-Brother-Allüren Obamas Abrüstungsavancen.

Es bleibt uns dennoch keine andere Wahl, als diesem US-Präsidenten zu wünschen, dass er in seiner verbleibenden Amtszeit viele der schönen Träume wahr macht.

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