Kommentar · MIGRATION: Europas Hilflosigkeit

|

Nun also die Marine. Während in Syrien die Schlacht um Aleppo tobt und wieder Zehntausende fliehen, versucht Europa hektisch, seine Grenzen zu schließen. Nato-Kriegsschiffe sind auf dem Weg in die Ägäis. Sie sollen Migrationsrouten überwachen, Schleuser jagen und Flüchtlinge zurück in die Türkei schaffen, bevor sie griechischen Boden erreichen.

Es ist die reine Hilflosigkeit. Gelingt es der Nato, die Ägäis-Route zu schließen, werden die Migranten neue Wege finden. So war es, als vor Jahren der Evros-Zaun gebaut wurde. So war es, als Ungarn seine Grenze schloss. Immer fanden sich bald neue Wege, meist waren sie beschwerlicher und gefährlicher als vorher. Die Menschen fliehen ja nicht zum Spaß.

Sicher ist die Idee sinnvoll, den Menschenstrom zu drosseln, solange sich Europa nicht auf dessen Verteilung einigen kann. Sicher ist die Idee reizvoll, die Syrer könnten in der Türkei abwarten, bis der Krieg in ihrem Land vorbei ist. Nur ist beides leider nicht in Sicht, und auch die Türkei ächzt schon lange unter der Last der Flüchtlingshilfe, die sie leistet.

Der Plan, EU-Grenzen militärisch zu sichern und der Türkei die Alleinverantwortung für die Menschen aufzuhalsen, ist erstens naiv und zweitens gefährlich. Denn erstens lässt sich Migration nicht einfach verhindern, auch nicht militärisch. Und zweitens begibt sich Europa damit in Abhängigkeit eines Herrschers in Ankara, von dem man besser nicht abhängig ist.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung
Kommentieren

Kommentare

12.02.2016 10:06 Uhr

Auch die USA rüsten an der Grenze zu Mexiko auf

"Die ersten Überwachungstürme mit zahlreichen Sensoren vom israelischen Rüstungskonzern Elbit werden gerade in Arizona getestet

Die USA schauen weg, was die Flüchtlingsströme im Mittelmeerraum und Europa betrifft. Die Flüchtlinge kommen aus den Ländern, in die die USA mit wechselnden Koalitionen wie in Afghanistan, dem Irak, Syrien und Libyen militärisch interveniert hat. Die humanitären Folgelasten, die daraus entstanden, schwache Staaten oder failed states, verstrickt in Bürgerkriegen, sowie erstarkte islamistische Terrororganisationen hinterlassen zu haben, interessieren in Washington bislang nicht, so lange weiter gegen den IS gekämpft und die Nato-Aufrüstung gegen Russland aufrechterhalten wird. "

Weiterlesen und Quelle:http://www.heise.de/tp/artikel/45/45906/1.html

Quod licet iovi non licet bovi - frei übersetzt: wenn zwei das Gleiche tun, ist es noch lange nicht dasselbe.

Antworten Kommentar melden

12.02.2016 07:40 Uhr

Zaun, schau, wem?

"So war es, als Ungarn seine Grenze schloss. Immer fanden sich bald neue Wege, meist waren sie beschwerlicher und gefährlicher als vorher."

Schon wahr. Wahr ist aber auch: Nach Ungarn kommt niemand mehr rein, den man nicht reinlassen will. Ganz so "die reine Hilflosigkeit" können Zäume folglich nicht sein. Wären sie es, wie uns seit Monaten, gegen alle staatliche, geschäftliche und private Erfahrung, eingebimst wird, gäbe es keine Zaunindustrie.

Antworten Kommentar melden

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Gemeinderat genehmigt Ausbau von Steinbruch Vohenbronnen

Der Blaubeurer Gemeinderat hat grünes Licht für den großflächigen Ausbau des Steinbruchs Vohenbronnen der Firma Heidelberg cement gegeben. Für den Betrieb, der gegenwärtig rund 100 Millionen Euro investiert, ist die Erweiterung existentiell wichtig. Stadträte fordern Erdwall zum besseren Schutz der Sotzenhauser Einwohner. weiter lesen