KOMMENTAR · IG METALL: Strategisches Kalkül

Ein warmer Willkommensgruß sieht anders aus: Das neue Spitzenduo der IG Metall wurde mit einem mageren Wahlergebnis in die Positionen gehievt. Vielen erscheint Detlef Wetzel zu farblos für den Posten der Nummer eins. Auch sein Führungsstil missfällt so manchem.

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Ein warmer Willkommensgruß sieht anders aus: Das neue Spitzenduo der IG Metall wurde mit einem mageren Wahlergebnis in die Positionen gehievt. Vielen erscheint Detlef Wetzel zu farblos für den Posten der Nummer eins. Auch sein Führungsstil missfällt so manchem. Er gilt nicht als der große interne Vermittler, sondern eher als jemand, der klare Ansagen macht.

Jörg Hofmanns ähnlich schwaches Abschneiden ist dagegen wohl strategischen Überlegungen geschuldet. Letztlich wollten die Delegierten den Abstand zwischen Nummer eins und Nummer zwei nicht zu groß werden lassen. Alles andere wäre ein Affront gegen Wetzel gewesen, der trotz aller Vorbehalte in den Jahren als Berthold Hubers Vize bewiesen hat, dass er einiges auf dem Kasten hat. Denn es ist auch seiner Arbeit zu verdanken, dass die IG Metall so da steht, wie sie es tut: mitgliederstark, finanziell gut ausgestattet und als Gesprächspartner in Berlin sehr geschätzt.

Nun müssen sich Basis und Spitze zusammenraufen. Nicht nur aus Sicht der Arbeitnehmer ist zu wünschen, dass dies rasch gelingt. Eine starke IG Metall steht für mehr als die traditionelle Debatte um eine gerechtere Arbeitswelt. Sie steht für Integration, Solidarität und ein vereintes Europa. Die Gewerkschaft erreicht über ihre Betriebsräte mit diesen Themen an den Fertigungsbändern und an den Schreibtischen viele Menschen - und zwar weitaus mehr als es die Politik heute noch vermag.

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Kommentare

26.11.2013 21:00 Uhr

Lean back vs. lean forward?

Beharren nicht wenige Mitglieder der IG Metall darauf, dass der für den Einzelnen unentrinnbar wirksamen Regulation von dessen Arbeitsleistung lediglich nachgespürt werden kann, wie Wagner namens der Gewerkschaft behauptet (Wagner, Hilde: Vorwort der Herausgeberin, in: dies. (Hrsg.): Arbeit und Leistung - gestern und heute. Ein gewerkschaftliches Politikfeld, Hamburg, 2008, S. 9), schwächt solche Engstirnigkeit jegliche Organisation der Arbeiterbewegung. Anstatt also die sich unabhängig vom jeweiligen Willen vollziehende Leistungsregulation des Menschen theoretisch angeleitet notwendig empirisch zu untersuchen und auf diese Weise die Schlagkraft des Arguments zu stärken, lehnen sich Angestellte des dortigen Vorstands an ihren Schreibtischen offenbar um des eigenen Vorteils willen gleichsam immer noch zurück und nicht vor.

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