KOMMENTAR · GRIECHENLAND: Gefährliche Erosion

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Jede Krise kommt zur Unzeit. Doch für die Koalitionskrise in Athen gilt das ganz besonders. Es drohen neue Turbulenzen - für Griechenland und für den Euro. Dabei schien es gut zu laufen in den vergangenen Wochen. Athen meldete Fortschritte bei der Konsolidierung der Staatsfinanzen, vom Euro-Austritt war nicht mehr die Rede. Das Vertrauen der Finanzmärkte begann zurückzukehren - abzulesen war das an fallenden Risikozuschlägen für griechische Staatsanleihen. Und dann das: Aus der vermeintlichen Stabilität droht das Land unvermittelt ins Chaos abzustürzen.

Möglicherweise hat Ministerpräsident Antonis Samaras den politischen Sturm unterschätzt, den er mit der Schließung des Senders ERT auslöste. Er hätte seine Partner früher und intensiver konsultieren müssen. In der Sache bleibt die Entscheidung dennoch richtig. ERT ist keine öffentlich-rechtliche Anstalt sondern ein Staatssender, direkt der Regierung unterstellt. ERT ist ein Paradebeispiel für Intransparenz, Vetternwirtschaft und Verschwendung im öffentlichen Dienst Griechenlands. Hier liegt eine der Ursachen der Schuldenkrise des Landes, die auch eine Krise seiner Institutionen ist. Gerade die Linksparteien zeigen aber wenig Bereitschaft, diese Strukturen anzutasten.

Die Dreiparteienkoalition hat unter schwierigen Verhältnissen und trotz beträchtlicher Differenzen länger durchgehalten als viele Beobachter vor einem Jahr erwarteten. Aber mit dem Ausscheiden der Dimar setzt ein gefährlicher Erosionsprozess ein, der über kurz oder lang zum Bruch der verbliebenen Zweiparteienkoalition führen könnte. Dann würde die Eurokrise mit aller Wucht wieder aufbrechen - nicht nur in Griechenland.

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Schuldenkrise in Griechenland

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