KOMMENTAR · ENTSCHÄDIGUNG: Versöhnungsarbeit statt Geld

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Das Urteil im Streit zwischen Italien und Deutschland über die Entschädigung der Opfer von NS-Massakern löst nur vordergründig einen schweren Konflikt. Berlin kann zwar aufatmen, denn wäre die deutsche Staatenimmunität nicht anerkannt worden, hätten weitere Forderungen wegen Kriegsverbrechen auch aus länger zurückliegenden Epochen gedroht. Dies hätte im Übrigen nicht nur für Deutschland gegolten, sondern in internationalen Beziehungen Tür und Tor für Ansprüche an die Nachfolgestaaten von Unrechtsregimen aus aller Welt geöffnet.

Aber auch wenn Berlin nun nicht an die Nachkommen der Opfer von NS-Massakern in der Toskana zahlen muss, die sich vor italienischen Gerichten durchgesetzt hatten: Die Versöhnungsarbeit, die begangenes Unrecht zwar nicht auslöschen, aber im Bewusstsein um die eigene Verantwortung zu einer positiven Beziehung beitragen kann, ist nach wie vor dringend nötig. Deshalb setzte sich Berlin für eine gemischte Historiker-Kommission ein, die die gemeinsame Geschichte des Zweiten Weltkriegs aufarbeitet, während die eigenen Juristen in Den Haag gegen Italien vorgingen.

Bei den vielen Prozessen in Italien gegen NS-Kriegsverbrecher und bei der Arbeit der Historiker geht es indes weniger um Geld als um die Anerkennung deutscher Verantwortung. Das machten italienische Kläger immer wieder deutlich. Wie weit dieser Weg noch ist, demonstriert regelmäßig das Wiederaufflammen antideutscher Stereotypen. So genügte ein beleidigender Blog-Eintrag in einem deutschen Online-Medium über die jüngste Kreuzfahrttragödie, um Deutsche in Italien wieder als Nazis erscheinen zu lassen.

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