KOMMENTAR · BLUE CARD: Hürdenlauf nach Deutschland

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Was hatte es für ein Getöse gegeben, als Gerhard Schröder vor zwölf Jahren die "Green Card" für ausländische Computerspezialisten ins Leben rief. Während die IT-Branche vom Wagemut des damaligen Kanzlers entzückt war, schürten Konservative die Angst vor unbegrenzter Einwanderung und ein CDU-Wahlkämpfer namens Rüttgers ging in NRW mit dem Spruch "Kinder statt Inder" auf Stimmenfang.

Inzwischen ist es zumindest im demokratischen Parteienspektrum Konsens, dass deutsche Unternehmen angesichts des Fachkräftemangels und des demografischen Wandels auf den Zuzug ausländischer Spezialisten angewiesen sind. Die "Blue Card", die in allen EU-Staaten geplant oder längst eingeführt ist - Deutschland ist derzeit neun Monate im Verzug - wird eher gegenteilige Reaktionen als Schröders Vorstoß hervorrufen. Denn das Rinnsal derjeniger, die bislang den Hürdenlauf nach Deutschland wagten, dürfte sich auch mit den neuen Regeln nicht zu dem Fluss ausweiten, der notwendig wäre, um den Fachkräftemangel in den Griff zu bekommen. Auch wenn die Koalitionäre Verbesserungen im Kleinen ausgehandelt haben, wie etwa das Visum zur Jobsuche und die weitere Herabsetzung des Minimumverdienstes für eine Niederlassungserlaubnis. Ein großer Wurf ist es nicht.

Ohnehin: Geld und Aufenthaltstitel allein locken weltweit gefragte Spezialisten kaum in ein Land, das nicht gerade eine ausgeprägte Willkommenskultur vorzuweisen hat. Wer will, dass die Fachkräfte nicht nur eine Arbeit sondern auch eine neue Heimat bekommen, muss ihre Partner und Kinder mit einbeziehen und auch ihnen eine Perspektive geben.

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