KOMMENTAR · BESCHNEIDUNG: Übereilte Reaktion

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So schnell hat die Bundesjustizministerin in dieser Amtsperiode selten gearbeitet: Noch bevor eine breite und sachlich geprägte Debatte über die Beschneidung jüdischer und muslimischer Jungen geführt worden ist, liegt auch schon ein Gesetzestext auf dem Tisch. Wie zu erwarten, sieht er vor, dass die Verletzung der körperlichen Unversehrtheit durch ein jahrhundertealtes religiöses Ritual straffrei bleiben soll.

Warum macht man es sich bei einem schwierigen Thema so einfach? Warum diese übereilte Reaktion? Gewiss ist die Debatte darüber angesichts der deutschen Geschichte eine heikle Angelegenheit, und nahezu zwangsläufig gibt es gesellschaftliche Strömungen, die die Lage nutzen, um Stimmung gegen Juden und Muslime zu machen.

Das ist schlimm, sollte aber niemanden daran hindern, sich selbstbewusst gegen diesen Eingriff und für das Selbstbestimmungsrecht des Kindes zu positionieren, das sich gegen diesen Akt der Körperverletzung nicht wehren kann.

Die Argumentation der Beschneidungsbewahrer - dazu gehört neben der Justizministerin wohl auch die Bundestagsmehrheit - läuft darauf hinaus, dass die grundgesetzlich verankerte Religionsfreiheit über andere Grundrechte gestellt wird. Das wirft nicht nur die Frage auf, wie es eigentlich um die Religionsfreiheit des Kindes steht. Sondern es berührt im Kern auch die Errungenschaften der europäischen Aufklärung.

Eine säkulare Gesellschaft darf das nicht hinnehmen. Es bedeutete, dass Kirchen und Religionsgemeinschaften dem Gesetzgeber die Feder führen. In diese Zeiten aber kann sich ernsthaft niemand zurückwünschen.

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Kommentare

27.09.2012 22:06 Uhr

Gesetz zur Beschneidung

Ich hoffe, die Menschen gehen gegen dieses Gesetz zu tausenden auf die Straße. Ich bin dabei!

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