KOMMENTAR · BESCHNEIDUNG: In der Pflicht

|

Klarheit tut Not. Seit das Landgericht Köln die Beschneidung von Buben als Körperverletzung eingestuft hat, tobt eine Debatte: Wie weit reichen elterliche Befugnisse? Wie absolut ist das Recht auf körperliche Unversehrtheit, und wo ist die Religionsfreiheit tangiert? Gerade das Judentum in Deutschland fühlt sich durch den Richterspruch bedroht. Die Beschneidung von Buben am achten Tag nach der Geburt gilt Juden als elementare Grundlage ihrer Religion. Dieser Eingriff ist für sie ein Symbol für den Bund Gottes mit seinem Volk.

Das Zeichen ist für viele so bedeutungsvoll, dass Juden auch während der Naziherrschaft ihre Kinder beschnitten haben, selbst wenn dieses Selektion und Tod bedeuten konnte. Da kann der Spruch des Landgerichts Köln nicht das letzte Wort gewesen sein. Was wäre es auch für ein Signal, wenn überall in Europa jüdisches Leben gemäß der Tradition möglich ist - nur in Deutschland nicht?

Die Regierung ist in der Pflicht, Grundlagen für ordnungsgemäße Beschneidungen in Deutschland zu formulieren. Das nicht nur dem Rechtsfrieden zuliebe, sondern auch wegen der nicht anzweifelbaren Zusicherung, dass jüdisches Leben in Deutschland nicht nur möglich sein muss, sondern auch zutiefst erwünscht ist.

Das schließt nicht aus, dass in jüdischen oder muslimischen Gemeinden eine Diskussion entsteht, wie existenziell Beschneidungen für das religiöse Leben noch sind. Einschlägige Debatten haben zum Teil begonnen. Doch Reformen sind Sache der religiösen Gemeinschaft, von außen aufgezwungen werden dürfen sie nicht. Auch nicht von einem Gericht.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Ratiopharm geht unruhigen Zeiten entgegen

Nach dem von Konzernmutter Teva verkündeten Sparpaket stehen aus Sicht des Managements schwere Entscheidungen an. Die IG BCE kritisiert die Massenentlassungen. weiter lesen