KOMMENTAR · ÄGYPTEN: Tragödie mit fatalen Folgen

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Für Ägyptens Fußball ist das Massaker von Port Said eine Tragödie, für den Fortgang der demokratischen Entwicklung des Landes ein Menetekel. Denn je häufiger es nach dem Sturz von Hosni Mubarak schwere innere Unruhen gibt, desto mehr Bürger werden daran zweifeln, ob die Revolution ihr Land tatsächlich auf den richtigen Weg gebracht hat. In ihren Köpfen beginnen sie, Demokratie gleichzusetzen mit Chaos, Unsicherheit und Gewalt, aber auch mit mehr Armut und Verzweiflung.

Seit zwölf Monaten schon zieht sich der Machtübergang vom Militär an eine vom Volk legitimierte zivile Führung hin. Die Finanzressourcen gehen zur Neige, die Wirtschaft kommt nicht auf die Beine, die Touristen bleiben weg und im Haushalt klaffen unfassbar riesige Löcher. Die vom Militärrat ernannte Übergangsregierung scheut Entscheidungen und ist nicht handlungsfähig. Die Generäle taktieren hinter den Kulissen und wollen vor allem ihre Privilegien retten.

Und bei jeder Sitzung des neuen Parlaments geht es stundenlang drunter und drüber. Sollte es Anstifter hinter der Katastrophe von Port Said gegeben haben, dann geht es ihnen darum, die junge Demokratie vorzuführen als ein System, das Ägypten in den Abgrund reißt. Auffällig jedenfalls war die ungewöhnlich geringe Präsenz von Polizei im Stadion, obwohl beide Fangruppen sich tagelang in gegenseitigen Provokationen aufgehetzt hatten. Inkompetenz oder politisches Kalkül, darüber wird am Nil in den nächsten Wochen noch erbittert gestritten werden. Eins aber steht inzwischen außerhalb jeder Diskussion. Ägyptens zweites Jahr nach der Revolution wird noch weit härter, als sein erstes.

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