Keine Bahntour ohne Stift

Die Bahn geht gegen Missbrauch ihrer Ländertickets vor: Alle Mitfahrer müssen in Zukunft ihre Namen auf den Fahrschein schreiben.

|

Einen ganzen Tag quer durchs Land in allen Nahverkehrszügen - die Ländertickets sind beliebt. Vier Millionen werden pro Jahr in Bayern verkauft, zwei Millionen in Baden-Württemberg. 22 Euro zahlt die erste Person, pro Mitfahrer kommen vier Euro hinzu, fünf Leute sind höchstens erlaubt.

Bisher muss nur der Käufer seinen Namen aufs Ticket schreiben, Mitfahrer dürfen namenlos mit. Mitte Dezember ist das allerdings vorbei. Jeder muss dann seinen Namen eintragen.

Die Bahn will "Schleppern" das Handwerk legen, Ticketkäufern, die bei ihren Touren illegal Geld verdienen. Dazu kaufen sie ein Ticket, sprechen auf Bahnhöfen Leute an und nehmen sie auf ihrem Ticket mit. Gegen Bezahlung. Das ist zulässig. Wechselt der "Schlepper" aber beim nächsten Halt seine Mitfahrer aus und reist er mit anderen Leuten auf demselben Ticket weiter, wirds kriminell. Es funktioniert aber: Mitreisende sparen sich das eigene Ticket, der "Schlepper" verdient Geld.

"Die Leute, die da mitfahren, wissen oft gar nicht, dass sie schwarzfahren", sagte ein Bahnsprecher in Stuttgart. "Und die Ehrlichen sind die Dummen." Wie verbreitet der Missbrauch ist, weiß keiner. In Bayern sind allerdings verdeckte Streifen von Bahn und Bundespolizei ausgeschwärmt. Sie haben sich an die Fersen von Bayernticketkäufern geheftet und acht "Schlepper" erwischt. Alle hatten nach der ersten Fahrt rechtswidrig eine neue Fahrgruppe gebildet. Sie wurden wegen Betrugs angezeigt.

Gegen den Missbrauch sollen künftig die Namen aller Mitreisenden auf dem Ticket helfen. Immerhin sind dann die Sünder ohne Beschattung zu entlarven. "Das ist nur eine blöde Schikane", sagt Gerhard Stolz vom Fahrgastverband Pro Bahn. "Viel wichtiger wäre, dass es die Bahn den Kunden mal einfacher macht." Bisher schon werde der Name auf den Tickets kaum kontrolliert. Auch Matthias Lieb vom Verkehrsclub Deutschland zweifelt am Nutzen. Mit der Angst vor Missbrauch könne man es auch übertreiben. Die Regelungen beim Länderticket seien schon kompliziert genug. Jetzt also noch alle Namen auf den Fahrschein. "Kugelschreiber nicht vergessen", rät Lieb, sonst wird man schnell zum Schwarzfahrer.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

K.o.-Tropfen: "Finger in den Mund, und spucken Sie es aus"

Immer wieder werden Menschen mit K.o.-Tropfen außer Gefecht gesetzt, anschließend vergewaltigt oder ausgeraubt. Dagegen hilft nur Vorsicht, sagt Achim Andratzek. weiter lesen