Karrieretipp aus Brüssel

Ungewöhnliche Jobberatung für Angela Merkel: Ausgerechnet Günther Oettinger legt ihr einen EU-Posten in Brüssel nahe.

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Günther Oettinger wird Energiekommissar in Brüssel: Wie ein Paukenschlag donnerte diese Nachricht 2009 durch das Land - und der Gedanke, die Kanzlerin habe mal wieder einen unliebsamen Parteifreund beiseitegeschafft, lag nahe, auch wenn sich alle Beteiligten umgehend gegen den Eindruck eines "Weglobens" wehren sollten.

Jedenfalls hatte Oettinger als Regierungschef im heimischen Stuttgart viel von sich reden gemacht: etwa als potenzieller Verkäufer wertvoller mittelalterlicher Handschriften oder als Filbinger-Trauerredner, natürlich auch als Bahnhofsbauer. Nur mit Äußerungen zu Grundsatzfragen der europäischen Energiepolitik fiel der Schwabe wirklich niemandem auf.

Doch längst macht der Verstoßene in Brüssel eine bessere Figur, als es ihm manch ein Kritiker zugetraut hatte. Inzwischen ist er so obenauf, dass er sich sogar zum Karriereberater der Kanzlerin berufen fühlt. Mittelfristig könne er sich einen Wechsel von Angela Merkel auf einen Spitzenposten der EU vorstellen, lässt er die Republik via "Zeit"-Interview wissen. "Erst einmal hat sich die Kanzlerin entschieden, dass sie Kanzlerin bleiben möchte. Aber ich schließe nicht aus, dass sich im Laufe des Jahrzehnts für sie die Frage nach einer hauptberuflichen Tätigkeit in Brüssel stellt", orakelt Oettinger. Und: Grundsätzlich werde es künftig so sein, dass "der nächste Karriereschritt eines Regierungschefs eines großen Mitgliedslandes Brüssel ist".

Ob verdeckte Retourkutsche oder späte Dankbarkeit: Auffällig ist, dass sich Oettinger immer häufiger wieder mit Wortmeldungen fernab der eigenen Zuständigkeit an die Öffentlichkeit wagt. Warnt er nicht gerade vor einem Euro-Austritt Athens, denkt er über einen EU-Beitritt der Türkei nach. Oder er lässt ganz nebenbei wissen, dass er nicht seine Festplatte ausbaute, als er nach Brüssel wechselte, ganz anders als sein gescheiterter Nachfolger Stefan Mappus, den die CDU inzwischen am liebsten aus den Partei-Annalen tilgen würde.

Die eigene Zukunft? Die sieht Oettinger angeblich nicht im Ländle. Zumindest war das im Frühjahr so. Aber vielleicht hat die Kanzlerin ja noch ganz andere Pläne mit ihm. Oder er mit der Kanzlerin. . .

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