Kanzlerin Merkel lädt zum Gipfel auf Schloss Elmau - Humorist weilte gern im Luxushotel

Mitten in Bayerns Bergwelt findet im Juni der G-7-Gipfel statt. Garmisch-Partenkirchen wird dann von zehntausenden Menschen überrannt. Im luxuriösen Schlosshotel bereitet man sich auf alle Eventualitäten vor.

|
Die Schlossanlage Elmau sei des Beste, was man anbieten kann, sagt Angela Merkels Regierungsprecher Steffen Seibert.  Foto: 

Das macht schon was her für die Bürger von Garmisch-Partenkirchen. Da steht Steffen Seibert, Regierungssprecher in Berlin, im mit 700 Menschen knallvollen Kongresshaus des Marktes am Mikrofon und sagt: "Welches Stück Deutschland wollen wir der Welt zeigen? Dies hier ist das Beste, was man überhaupt anbieten kann." Und der smarte einstige ZDF-Moderator schwärmt von der "Schönheit der Natur", der "wundervollen Bergwelt". Das Publikum ist durchaus beeindruckt.

Die Bundesregierung hat den Menschen in Garmisch und drumherum einiges zu erklären. Am 8. und 9. Juni 2015 wird hier nichts so sein, wie es sonst ist. Denn Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hat die Staats- und Regierungschefs der sieben wichtigsten Industrienationen zum G-7-Gipfel hierhin eingeladen - besser gesagt in das einsame Schlosshotel Elmau. Es liegt Luftlinie nur sechs Kilometer von Garmisch entfernt.

Was die Einwohner an diesen zwei Tagen, wenn US-Präsident Barack Obama und Co. kommen, zu erwarten oder befürchten haben, macht Seibert mit einigen Zahlen deutlich: Mindestens 10.000 Polizisten werden da sein, 3000 bis 4000 Journalisten, sowie die ganzen Regierungsdelegationen. Die G-7-Staaten, so sagt er, "repräsentieren eine Milliarden Menschen". Der Gipfel dürfte das politische Großereignis des Jahres werden. 2007 war das letzte Treffen der Gruppe in Deutschland, noch mit Russland als G-8. Man versammelte sich im Seebad Heiligendamm an der Ostsee.

Nun also bietet die oberbayerische Alpenwelt die Kulisse. Das Schlosshotel Elmau, 1008 Meter hoch gelegen. Von der Straße aus sieht man diese mächtige Anlage, ursprünglich erbaut in den Jahren 1914 bis 1916. Es ist ein Luxushotel an einem völlig abgelegenen Flecken, wie es luxuriöser kaum sein kann. Im Teesaal prasselt das Kaminfeuer, während Dalia Banerjee von dem verheerenden Brand erzählt, der im Jahr 2005 zwei Drittel der denkmalgeschützten Anlage zerstört hat. Frau Banerjee ist indischer Herkunft und in der Schweiz groß geworden. Sie ist eine Konzertpianistin, doch sie arbeitet als PR-Referentin für das Schlosshotel.

"Das Bundespresseamt hat erstmals 2013 bei uns nachgefragt", erinnert sich Dalia Banerjee. "Die Leute sagten, es gehe um eine Konferenz der Bundesregierung." Auf Elmau sei man nicht sonderlich begeistert gewesen. Das Haus ist kein Konferenzhotel, sondern auf Urlaub und Erholung ausgerichtet. Nach zwei, drei Besuchen der Herrschaften aus Berlin sei dann klar geworden, dass hier der G-7-Gipfel stattfinden solle. "Das ist natürlich eine große Auszeichnung für uns", meint die Presse-Frau. Und eine unschätzbare Werbung, wenn die Bilder aus dieser verwunschenen Luxus-Oase rund um die Welt gehen.

Im Teesaal sitzt ein junger Mann mit Sweatshirt, Jeans und Baseballmütze und liest ein Buch. Andere Gäste kommen im Bademantel vom Spa. Eine Mutter hat ihren Säugling auf dem Arm und lässt sich einen Babybrei warm machen. Man dachte, dass es hier viel formeller, vornehmer, spießiger zugeht. "Nein", sagt Dalia Banerjee. "Gerade diese Freiheit, so zu sein, wie man sein will, ist unser Luxus."

Der große Konzertsaal ist eine Art Mittelpunkt der Anlage - gediegenes Holz an Boden und zur Decke hin, auf einer Bühne erhöht steht ein Flügel. An der Mehrzahl der Abende gibt es hier hochwertige Klassik, Jazz oder Lesungen. "Ich bin mir sicher", sagt Banerjee, "dass der Konzertsaal für den Gipfel sehr wichtig wird."

Es gibt sechs verschiedene Restaurants auf Elmau - vom Kaminstüberl bis zum Gourmet-Tempel. Wo werden die G-7-Teilnehmer speisen? Werden sie die Bäder benutzen? Wird es Musik geben? "Wir wissen fast noch nichts", sagt Banerjee. "Es wird alles sehr kurzfristig festgelegt werden." Die 230-köpfige Hotel-Crew wird flexibel sein müssen, wenn Obama ein Steak wünscht oder Merkel sich mit anderen Regierungschefs kurzfristig in einem geeigneten Raum austauschen will.

"Das Vorurteil lautet ja, dass es bei solchen Treffen nur ein großes Palaver gibt", meint Steffen Seibert zu den Garmisch-Partenkirchenern. Er könne sagen, dass diese Art der Veranstaltung einen "politischen Mehrwert" habe, wenn Staatschefs intensiv und persönlich miteinander ins Gespräch kämen. 2015 gebe es größere und kleinere Themen: Die Wirtschaft, nachhaltiges Wachstum, Vorbereitung von UN-Konferenzen. Aber auch Ebola, der Meeresschutz oder die zunehmende Antibiotika-Resistenz.

Mit am wichtigsten bei der Vorbereitung ist die Sicherheit. Bayerns Innenminister Joachim Herrmann preist sich selbst an: "Sicherheit ist ein Markenzeichen Bayerns." Es soll keinen Zaun um Elmau geben, doch alle Zugänge werden lückenlos überwacht, Scharfschützen postiert. Welchen Protest es geben wird, kann bisher niemand sagen. Es formieren sich Anti-G-7-Bündnisse. Sicherlich werden auch gewaltbereite Autonome anreisen. Wie nah die Gegner aber an Elmau kommen, ob es die geplanten Übernachtungs-Camps gibt, werden die Gerichte entscheiden.

Die Bevölkerung interessiert, welche Einschränkungen sie hinnehmen muss. Die Garmischer wurden bekannt durch ihren Protest gegen olympische Winterspiele. Von dieser Haltung ist nicht mehr viel zu spüren. Wohl auch, weil sie sich von den G-7-Verantwortlichen auf Augenhöhe behandelt fühlen. Im Raum Garmisch sind sowohl die Polizei untergebracht als auch die Journalisten, die ihr Pressezentrum im Eisstadion haben.

Etwa 170 Zimmer und Suiten gibt es in Elmau, mehr Delegationsteilnehmer werden dort nicht übernachten. Es handelt sich um eine einzige Nacht. Es werden also nur die Staats- und Regierungschefs, engste Berater und Dolmetscher dort sein.

Ein kleiner Weg führt zum Wanderparkplatz. Der wurde neu geteert. Es ist eine ziemlich große Fläche - beim Gipfel der Hubschrauber-Landeplatz. Steffen Seibert verspricht, dass der Platz danach richtig schön gestaltet wird. Im Hotel führt Dalia Banerjee durch die Gänge und zeigt die Zimmer - die Preise liegen zwischen 250 und 1500 Euro für das Doppelzimmer pro Nacht. Die Nummer 219 nennen sie im Hotel die Loriot-Suite. Loriot war Elmau-Fan und kam sehr oft. In diese Suite, einem Eckzimmer mit Fauteuil, Sofa und einer breiten Fensterfront, hat sich der Humorist und Regisseur immer eingemietet. "Ein ganz reizender, freundlicher Mann", meint Banerjee. Am Schreibtisch mit Blick auf die Berge und die Wiesen sind viele seiner Werke entstanden.

Jahr der Entscheidungen

Konferenzen Das neue Jahr kann für die Weltgemeinschaft entscheidend werden. Ein Reigen großer internationaler Konferenzen steht an. Deutschland und Kanzlerin Merkel kommt dabei eine Schlüsselrolle zu. Die Bundesrepublik hat die Präsidentschaft der sieben wichtigsten Industriestaaten (G 7). Im Schloss Elmau sollen die Großereignisse vorbereitet werden, die im Juli mit der dritten UN-Konferenz zur Finanzierung neuer Entwicklungsziele beginnen. Kernpunkte sind die Finanzierung öffentlicher Güter, die Förderung der Eigenverantwortung von Entwicklungs- und Schwellenländern. Es soll auch vereinbart werden, dass die Hilfe die Menschen wirklich erreicht.

Ziele Auf der UN-Vollversammlung im September wollen die Staaten erstmals Ziele für eine nachhaltige Entwicklung verabreden. Die von der Weltgemeinschaft vereinbarten Milleniumsziele laufen aus. Es geht um das Ende der Armut, nachhaltige Energie für alle, Stopp der Wüstenbildung, Nutzung der Ozeane. Im Dezember findet schließlich die Klimakonferenz in Paris statt. Das Ziel: ein neues globales Klimaabkommen, das alle Staaten betreffen soll.

 

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Albi: Edeka übernimmt Mitarbeiter

Der Edeka-Verbund hat am Freitag das komplette Unternehmen der Albi GmbH & Co. KG in Bühlenhausen übernommen. weiter lesen