Jobboom kein "Wunder"

Ein reiches Land, in dem die Armut zunimmt - dieses Fazit ziehen Statistiker und Forscher in ihrem neuen Sozialbericht für Deutschland. Das soziale Ungleichgewicht wächst - trotz Rekordbeschäftigung.

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Das deutsche Jobwunder ist bei näherer Betrachtung eigentlich keines, die Armut nimmt zu und Gesundheit ist auch eine Frage des Einkommens. Das sind die Kernaussagen im Datenreport 2013, den die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) gestern zusammen mit dem Statistischen Bundesamt und dem Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) präsentierte.

Die Beteiligten haben bei ihrer jährlichen Beschreibung der aktuellen Lebensverhältnisse in Deutschland mal wieder ganze Arbeit geleistet: Auf 434 Seiten fassen sie Statistiken und Ergebnisse der sozialwissenschaftlichen Forschung zu eine Art Sozialatlas zusammen. "Wir leben in einem reichen Land. Seit der Wiedervereinigung waren noch nie so viele Menschen in Deutschland erwerbstätig wie heute. Aber wir leben in einem reichen Land, in dem die Armutsquote steigt", so das Fazit von Thomas Krüger, Präsident der bpb.

Dem Bericht zufolge relativiert sich das deutsche Jobwunder bei einem Blick auf die Zahl der geleisteten Arbeitsstunden: Obwohl es 2012 mit 41,5 Millionen Menschen so viele Erwerbstätige wie noch nie zuvor gab, lag das Arbeitsvolumen unter dem Wert von 1991. Die Gesamtzahl der geleisteten Arbeitsstunden geht bereits seit 20 Jahren kontinuierlich zurück, weil es immer mehr Teilzeitjobs sowie atypische Beschäftigung gibt. Eine Entwicklung mit zwei Seiten: Zwar haben befristete Arbeitsverträge, Leiharbeit und Minijobs dazu geführt, dass eine größere Zahl von Menschen Arbeit hat. Auf der anderen Seite stehen eine geringere soziale Absicherung und ein geringeres Einkommen.

Die Zahl der atypisch Beschäftigten lag nach dem Report 2012 bei 7,9 Millionen. Das sind fast 22 Prozent der Kernarbeitnehmerschaft. Vor 20 Jahren waren es 13 Prozent.

Von einem Wohlstandswachstum für alle kann jedenfalls keine Rede sein, bilanzieren die Sozialexperten. Vielmehr haben die Armutsrisiken in den vergangenen zehn Jahren im Vergleich zu den 90ern deutlich zugenommen. 2007 lag der Anteil armutsgefährdeter Personen bei 15,2 Prozent, 2011 bei 16,1 Prozent, wobei als arm galt, wer weniger als 980 Euro im Monat hat.

Die unterste Einkommensschicht, die über weniger als die Hälfte des Durchschnittseinkommens verfügt, macht inzwischen 12 Prozent der Gesamtbevölkerung aus. Vor 20 Jahren waren es gerade mal 7,4 Prozent. Dabei haben sich die Einkommen der Armen immer mehr nach unten entwickelt, also von der Armutsschwelle entfernt. Damit habe sich auch die Intensität von Armut erhöht, heißt es in dem Datenreport. Derzeit stagnieren die Werte auf hohem Niveau.

"Arme sterben früher"
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