Islamisten bauen ihre Macht aus

Ein radikaler Islamist wird Gouverneur von Luxor. Die Bevölkerung reagiert darauf mit heftigen Protesten. Die Islamisten bauen ihre Macht aber langsam aus. Die innere Konfrontation in Ägypten droht zu eskalieren.

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Klarer Kurs in Richtung Islamismus: Ägyptens Präsident Mohammed Mursi provoziert die Opposition. Foto: dpa

Ihr Slogan lautet "Tamarud - Rebellion". Sie wollen für Ägypten eine zweite Revolution. Im ganzen Land sammeln die jungen Aktivisten Unterschriften gegen Mohammed Mursi. Millionen haben die Petition bereits unterschrieben, die den Muslimbruder auf dem Präsidentensessel zum Rücktritt auffordert. Für den 30. Juni, den ersten Jahrestag seiner Vereidigung, hat das liberale und säkulare Lager im ganzen Land Massendemonstrationen angekündigt. "Wir appellieren an alle Ägypter, auf die Straßen zu gehen, damit wir uns unsere Revolution zurückholen", sagte Friedensnobelpreisträger Mohammed el-Baradei, Sprecher der Opposition.

Doch die herrschenden Islamisten halten gegen. Sie denken nicht daran, zu weichen. Mursi denunzierte die Tamarud-Bewegung als "absurd und illegitim", inszeniert von den Resten des alten Mubarak-Regimes. Seine Anhänger planen Gegenkundgebungen und bauen derweil ihre Macht systematisch weiter aus: Ein radikaler Islamist wird Gouverneur von Luxor. Ägyptens Polizei rüstet sich für Krawalle. Die Armee ließ erklären, man werde den Staat verteidigen und sei auf alle Eventualitäten vorbereitet.

"Wir wollen keinen Terroristen", stand auf den Plakaten der Demonstranten, die den Zugang zum Gouverneurspalast in Luxor blockierten. Andere waren unter Protestrufen zum Flughafen gezogen, wo der in Kairo frisch vereidigte Politiker landete. Seit bekannt ist, dass Luxors neuer Gouverneur Adel el-Khayat Gründungsmitglied der ehemaligen Terrorgruppe Gamaa Islamiya ist, schlagen in der Stadt die Wellen hoch. Vielen steckt bis heute das schlimmste Massaker in der modernen Geschichte Ägyptens noch in den Knochen, als 1997 Gotteskämpfer von Gamaa Islamiya eine Touristengruppe beim Hatshepsut-Tempel unter Feuer nahmen. 58 Besucher und vier Ägypter starben. Erst 2000 schwor die Terrorgruppe offiziell der Gewalt ab. Nach der Revolution saßen 13 ihrer Mitglieder als Abgeordnete der salafistischen "Aufbau- und Entwicklungspartei" in dem inzwischen aufgelösten Post-Mubarak-Parlament.

Mit dem erzkonservativen 52 Jahre alten El-Khayat kontrollieren die Islamisten nun 13 der 27 Provinzregierungen. Doch der Widerstand gegen deren Machtstreben wächst. Seit einem Monat tobt in Kairo ein beispielloser Kulturkampf zwischen der Künstlerelite und dem neuen islamistischen Kulturminister. Schriftsteller und Bildhauer halten das Büro des Ministers besetzt. Der gesamte Kulturbetrieb ist auf den Barrikaden - auch sonst machen sich in der Bevölkerung Unruhe und Existenzangst breit. Vor den Tankstellen bilden sich seit Monaten lange Schlangen, Stromausfälle gehören zu den Alltagsplagen. Die Währung verfällt, die Preise für Lebensmittel klettern. Das Wahlgesetz ist blockiert, so dass die Parlamentswahlen wohl ins nächste Jahr verschoben werden müssen, wenn sie überhaupt noch stattfinden. So schlittert Ägypten immer weiter hinein in eine innere Zerreißprobe.

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