INTERVIEW: "Es kann noch viel passieren"

Mit der Griechenland-Wahl ist der Euro noch nicht gerettet, urteilt Anke Hassel, Professorin für Public Policy an der Hertie School of Governance (Berlin).

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Ist der Euro mit dem Ergebnis der Griechenland-Wahl gerettet?

ANKE HASSEL: Ja und Nein. Auf der einen Seite hätte die Wahl auch anders ausgehen können. Dann hätte sich die Lage um den Euro weiter zugespitzt. Das Ergebnis ist besser. Auf der anderen Seite wird uns die Rettung des Euro wahrscheinlich noch viele Jahre beschäftigen. Es wird nicht in den nächsten Wochen eine Lösung geben. Vor uns steht ein langwieriger Anpassungsprozess, der wahrscheinlich damit endet, dass der Euro überlebt. Auf dieser Strecke kann noch viel passieren, und es ist nicht ausgeschlossen, dass der Euro nicht überlebt. Kurz gesagt: Man weiß es nicht.

Wie teuer wird die Euro-Rettung für die Deutschen?

HASSEL: Es gibt so viele Unbekannte in dieser Rechnung, dass das kein Mensch weiß. Im Moment sind wir auf einem Sparkurs, der sich negativ auf das Wachstum auswirkt. Wenn es gelingen sollte, dass die Euro-Zone wieder ein robusteres Wachstum erreicht, stellt sich die Frage der Verschuldung ganz anders. Ob aber ein Wachstumspfad erreicht wird, hängt nicht nur von den Impulsen innerhalb der Euro-Zone ab, sondern auch von der Weltkonjunktur - also wie sich etwa die USA und China entwickeln.

Kann Kanzlerin Angela Merkel ihren Kurs beibehalten, dass Deutschland nicht für Schulden anderer haftet?

HASSEL: Sie wird es versuchen. Aber wir haben nicht nur die Alternative, dass Deutschland überhaupt nicht oder für alles haftet. Es gibt jetzt schon eine Art Haftungsgemeinschaft. Würde Griechenland seine Schulden nicht mehr bedienen, sondern insolvent, obwohl es Mitglied des Euro ist, dann würden viele Schulden an den Deutschen hängenbleiben. Dazu kommen die wirtschaftlichen Beziehungen. Die deutschen Banken sind mit den griechischen verflochten, die deutsche Wirtschaft mit der griechischen. Jetzt wird versucht, eine Regulierung zu finden, indem man eine bestimmte Gemeinschaftshaftung übernimmt, etwa über eine Bankenunion, aber andere Formen der Haftung ausschließt, etwa über Eurobonds oder gemeinsame Anleihen. Vermutlich wird die Haftung noch höher, aber wie hoch, ist offen.

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