Interview mit Medienexperte: „Das guckt ihr jetzt mal nicht!“

Die Abendkrimis sind brutaler geworden. Vorbilder sind Privat-TV und Kino. Der Medienexperte Oliver Zöllner sieht die Eltern in der Pflicht. Ein Interview.

|
Medienprofessor Oliver Zöllner.  Foto: 

Im Fernsehen und im Kino wird nach Ansicht des Medienexperten Oliver Zöllner, Professor an der Stuttgarter Hochschule der Medien, heute mehr Gewalt und Pornografie gezeigt als früher.

 Haben Sie die letzten beiden „Tatort“-Krimis gesehen?

Oliver Zöllner: Nur den, der im Pornofilmmilieu spielt, und den auch nur teilweise. Ich bin irgendwann ausgestiegen, weil ich nicht so ein Krimi-Fan bin.

Hat der Film aus Ihrer Sicht den Rahmen dessen, was man Jugendlichen abends zeigen darf, gesprengt?

Ich fand die Pornofilmindustrie recht realistisch und auch nicht in irgendeiner Weise aufreizend dargestellt. Das war ein beinahe dokumentarischer Blick. Für Heranwachsende ist es sicher schwierig, in dieser Form mit einem solchen Thema konfrontiert zu werden. Für einige 12- bis 18-Jährige war das Gezeigte aber sicher akzeptabel und vielleicht auch interessant. Man muss dazu sagen, dass viele Jugendliche wesentlich härtere Sachen aus dem Internet kennen.

Welche Rolle fällt in solchen Situationen den Eltern zu?

Sie haben die Verantwortung, den Kindern in bestimmten Situationen zu sagen: So, das guckt Ihr jetzt mal nicht.

Sind die Abendkrimis brutaler geworden?

Es ist ein schleichender Prozess. 1986 hat man in einer Folge der „Schwarzwaldklinik“ eine Vergewaltigungsszene gezeigt, nach der es zu Protesten kam. Erst gut 15 Jahre später wurden entschärfte Wiederholungen gesendet. Dabei wirkt das beinahe harmlos im Vergleich zu dem, was heute gesendet wird. Insofern kann man sagen, dass die Darstellung von Gewalt und auch von Sexualität oder Pornografie häufiger und härter geworden ist. Wir gewöhnen uns daran und gehen auch entspannter damit um. Man könnte aber auch negativ sagen, dass wir immer mehr abstumpfen. Mittlerweile scheint es in medialen Darstellungen fast normal zu sein, Gewalt auszuüben, um damit irgendwelche Probleme zu lösen.

Welche Rolle spielen die privaten TV-Sender und das Kino?

Das private Fernsehen war von Anfang an stärker darauf angelegt, ein Publikum an sich binden zu müssen und sich auf dem Markt zu behaupten. Und das geschah zum Teil mit knalligen, gewalthaltigen Bildern. Bei Kinofilmen ist es im Grunde ähnlich. Da die Kassenschlager zu einem großen Teil aus den USA kommen, übernehmen wir viel von den dortigen Darstellungsmustern.

Zum Thema
Blutiger „Tatort“:
Debatte um Altersfreigabe

 

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

K.o.-Tropfen: "Finger in den Mund, und spucken Sie es aus"

Immer wieder werden Menschen mit K.o.-Tropfen außer Gefecht gesetzt, anschließend vergewaltigt oder ausgeraubt. Dagegen hilft nur Vorsicht, sagt Achim Andratzek. weiter lesen