Integration von Zuwanderern machbar - Pegida-Gegner im Südwesten

Gegner der Anti-Islam-Bewegung Pegida gehen auf die Straße - auch im Südwesten. Der Städtetag versucht, Ängste vor Flüchtlingen zu zerstreuen. Mit einem Kommentar von Wilhelm Hölkemeier.

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Deutschland ist nach Einschätzung des Städtetags in der Lage, eine wachsende Zahl von Zuwanderern zu integrieren. "Wir können das, weil wir die Gastarbeiter in Millionenzahl integriert haben und auch die Spätaussiedler aus den Sowjetrepubliken in Millionenzahl integriert haben", sagte Verbandspräsident Ulrich Maly (SPD). "Aber natürlich braucht es dafür menschliche Ressourcen, Geld und - angesichts von Pegida - auch moralische Ressourcen, das heißt eine gewisse Aufnahmebereitschaft der Gesellschaft."

Dass die Anti-Islam-Bewegung Pegida im Südwesten nicht willkommen ist, will die Bürgerinitiative "Die Anstifter" zeigen. Am kommenden Montag soll es am Stuttgarter Schlossplatz eine Protestdemonstration gegen Fremdenfeindlichkeit geben, am 17. Januar will das Bündnis eine Kundgebung in Mannheim organisieren.

Die Initiative teilte im sozialen Netzwerk Facebook mit, es sei höchste Zeit, ein deutliches Zeichen zu setzen. Der Geschäftsführer der "Anstifter", Fritz Mielert, berichtete, die Kundgebung sei für 1000 Teilnehmer angemeldet. Rund 40 Organisationen unterstützen die Demo den Angaben nach.

Ob es am gleichen Tag in Stuttgart auch einen Ableger der Pegida-Demonstrationen geben wird, wie sie in anderen Städten organisiert werden, blieb gestern offen. In Dresden waren zuletzt 17 000 Menschen gegen die Islamisierung der Gesellschaft und Zuwanderung auf die Straße gegangen.

Einer neuen "Stern"-Umfrage zufolge glauben 29 Prozent der Deutschen, der Islam habe auf das Leben hierzulande so großen Einfluss, dass solche Protestmärsche gerechtfertigt seien.

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) erntete für ihre scharfe Kritik an Pegida in der Neujahrsansprache Lob selbst von der Opposition. Die rechtskonservative Alternative für Deutschland (AfD) hingegen stellte sich schützend vor die Pegida-Demonstranten. "Sie verurteilt Menschen von oben herab, die sie gar nicht kennt", sagte der Fraktionschef im Brandenburger Landtag, Alexander Gauland, an Merkels Adresse. Ihre Kritik an den Kundgebungen der "Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes" (Pegida) werde der Protestbewegung noch mehr Zulauf bescheren.

Kommentar von Wilhelm Hölkemeier: Hilfe ist Pflicht

Es war nur eine kleine Notiz unter den Nachrichten am Neujahrstag und doch eine, die ihren Einfluss auf die engherzige Flüchtlingsdebatte hierzulande nicht verfehlen darf. Etwa 76 000 Menschen sind 2014 allein im syrischen Bürgerkrieg gestorben, darunter jeder vierte ein Zivilist und allein 3500 Kinder. Schon diese Fakten sollten die Gesellschaft eines wohlhabenden Landes überzeugen, dass Nothilfe für Flüchtlinge jetzt Pflicht ist.

Doch für die von der Bundeskanzlerin erfrischend offen angebrachte Kritik an der Anti-Islam-Bewegung hierzulande gibt es nicht nur christlich-humane, sondern auch eigennützig-ökonomische Motive. Ein Land, das so exportabhängig ist wie Deutschland, hat keine Wahl. Es muss sich weltoffen und liberal im Umgang auch mit Flüchtlingen präsentieren, weil es sonst sein exzellentes "Made-in-Germany"-Image in der Welt verspielt. Niemand sollte sich der Illusion hingeben, dass eine gesellschaftliche Abschottungspolitik keine Auswirkung hätte auf grenzüberschreitenden Handel und Wandel.

Insofern entlarvt sich die AfD, der Merkels Kritik an den Montags-Demonstranten zu freimütig ausfiel, abermals als rückständige und wirtschaftsfeindliche politische Kraft. Wer sich nach der D-Mark zurücksehnt und die Grenzen für Fremde schließen will, schadet den Interessen der deutschen Unternehmen und nimmt den Abbau von Arbeitsplätzen aus ideologischen Gründen in Kauf.

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Kommentare

04.01.2015 15:05 Uhr

"Intelligenzniveau"??? - Antwort auf „Asylrecht heißt nicht Einwanderungsrecht”

Ausländerfeindliche Einstellungen sind nun eher nicht so auf ein besonderes "Intelligenzniveau" zurückzuführen - im Gegenteil, es sind überwiegend sehr schliche Gemüter, die ihr unterkomplexes Weltbild bei rechten Aufmärschen oder in einschlägigen Kommentarspalten zur Schau stellen.

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02.01.2015 13:09 Uhr

Fehler in meinem Kommentar

Israel hat natürlich NICHT den Libanon 2014 zerbombt. Entschuldigung!

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02.01.2015 12:33 Uhr

Antwort auf „Asylrecht heißt nicht Einwanderungsrecht”

Nun, besonders helle scheinen die Pippis nicht zu sein ...

Die Pippis sind sich wohl nicht so einig, gegen was sie eigentlich auf die Straße gehen. Der Name ist ja nicht gleich Programm! Der eine fühlt sich von verschleierten Frauen bedroht, der andere meint, die Europäischen Patrioten unterstützen zu müssen, weil er 1.500 Salafisten, die Ihre Grundrechte der freien Meinungsäusserung wahrnehmen, nicht dulden möchte. Ein anderer stört sich an Wirtschaftsflüchtlinge (jeder Konfession) aus allen Herren Länder der Erde, und der Rest der Demonstranten marschiert mit, weil sie nicht so recht wissen, vor was sie Angst haben könnten.

Wie CDU/CSU-Politikern mittlerweile uns erklären, handelt es sich bei den Demonstranten nicht (nur) aus Nazis. So verwundert bin ich dann immer wieder, wenn PIPPI-Beführworter alle Anti-PEGIDA- Mitglieder in die von links-grüne Ecke stellen. Wenn Frau Merkel also zu den Linken gehören soll, dann frage ich mich, wo die Pippis stehen? RECHTS, RECHTer oder ganz weit RECHTS von ihr?

Wer nun wieder erzählen möchte, dass die ISIS-Terroristen Christen vertreiben, dem soll gesagt werden, dass auch Deutsche CHRISTEN in Deutschland grundlos Moslems töten. Diese Menschen nennen sich dann Mitglieder der NSU oder gehören anderen Rechtsradikalen Terroristengrüppchen an. Welche Pippi-Demonstrant geht auf die Straße und demonstriert gegen diese Verbrecher in Deutschland? Haben denn die Pippi-Demonstranten keine Angst vor Nazis? Lassen sich die braven Demonstranten, welche bei Pippi mit marschieren etwa missbrauchen, die dann hinterher behaupten, "Das habe ich nicht gewusst"? Sind es nicht die Pippis, die gefordert haben, den Kurden keine Waffen zu liefern, obwohl es ja die Kurden sind, die (wie Herr Maier schreibt) die verfolgten Christen aufnehmen und beschützen?

Verdammte Axt, auf welcher Seite stehen jetzt diese Europäischen Beschützer des Christlichen Abendlandes überhaupt?

Man sollte sich vor dem Libanon verneigen, der, obwohl von Israel zerbombt, immerhin 2.000.000 Flüchtlinge aufgenommen hat. Und da kommen ein paar europäische Patrioten, die der Meinung sind, dass so ein Land wie die BRD sich selbst aufgeben würde, wegen ein paar Flüchtlingen.

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02.01.2015 10:18 Uhr

Asylrecht heißt nicht Einwanderungsrecht

Immer die gleiche Leier. "Zuwanderung" und "Asyl" sind zwei grundsätzlich verschiedene Dinge, trotzdem werden diese immer gerne von den Politikern vermischt - wohl weil man denkt, die Bürgerschaft sei auf dem Intelligenzniveau von vor 200 Jahren stehen geblieben. "Nächstenliebe" heißt auch nicht Selbstaufgabe. Wenn die Herrem vom Städtetag in deren bescheidenen Hütte mal auf eigene Kosten drei somalische Alleinreisende für längere Zeit beherbergen würde, dann würde ich ihnen das abnehmen - so muss ich aber annehmen, dass es ihm vor allem darum geht, den grün-linken Umvolkungvisionen weiter Vorschub zu leisten. Und bei alledem sei gesagt: Nicht der somalische Alleinreisende, der vor allem zum Verbessern seiner wirtschaftlichen Lage hier herkommt oder der serbische Roma, der ganz überwiegend deswegen kommt, weil es hier genug Blödmenschen gibt, die ihm seinen Vollpensions-Winterurlaub samt Tagegeld bezahlen, ist der wirklich Verfolgte und der richtige Flüchling. Das ist der von der syrischen Moslems ins kurdische Gebirge vertriebenen Christ, die seit wohl 800 Jahren mal mehr und mal weniger Verfolgung erleidt. Aber um die braucht man sich ja nicht zu kümmern - man kann seine Ration an "Nächstenliebe" auch an denjenigen rauslassen, die es eigentlich nicht nötig haben.

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02.01.2015 09:43 Uhr

Gott sei Dank.

Erleichtert lässt sich feststellen, dass in unserem Land der schmalspurige egozentrische Angsthorizont nun doch nicht so beliebt ist, wie es so manchem Kurzsichtigen gefallen würde. Überlebenschancen haben wir in dieser Zeit nur noch Miteinander. Die Lecks, die eifersüchtiges Gegeneinander in dieser Welt schon geschlagen hat, bringen uns einem großen Schiffbruch nur immer gefährlicher näher und ein Sieg über andere ist immer auch ein Verlust großer Möglichkeiten, auf die man mit einem egozentrischen Schrumpfkopf nicht verzichten kann, bei dem die selbstverpasste Krone allzu schnell auf den Hals rutscht.
Wer jetzt den Mut hat, sich für dieses Miteinander zusammen mit anderen zu bekennen, verdient den Respekt, den wir mit billligen Verleumdungen und Hetzparolen schneller vespielen, als uns lieb sein kann.

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