In Saudi-Arabien gibt sich Trump versöhnlich

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  • Donald Trump, ausgestattet  mit einem traditionellen Schwert, grinst bei einer Willkommenszeremonie im Murabba-Palast in Riad.  Foto: Saudi Press Agency/dpa 1/2
    Donald Trump, ausgestattet mit einem traditionellen Schwert, grinst bei einer Willkommenszeremonie im Murabba-Palast in Riad. Foto: Saudi Press Agency/dpa Foto: 
  • Ohne Kopftuch: Melania Trump besucht eine Einrichtung für Geschäftsfrauen in der saudischen Hauptstadt. Foto: afp 2/2
    Ohne Kopftuch: Melania Trump besucht eine Einrichtung für Geschäftsfrauen in der saudischen Hauptstadt. Foto: afp Foto: 
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Im Wahlkampf hatte Donald Trump den Islam und die Muslime stets scharf attackiert. Im Amt versuchte er nach wenigen Tagen, einen pauschalen Einreisestopp gegen Bürger aus sechs muslimischen Ländern durchzusetzen. Bei seinem Besuch in Saudi-Arabien, dem ersten in der islamischen Welt, schlug der US-Präsident jetzt erstmals moderatere Töne an. „Unser Ziel ist eine Koalition der Nationen, die das gleiche Ziel haben, den Extremismus auszurotten und ihren Kindern eine hoffnungsvolle Zukunft zu bieten“, sagte er in einer Grundsatzrede in Riad. Dies sei kein Kampf zwischen verschiedenen Religionen oder verschiedenen Zivilisationen, sondern zwischen barbarischen Kriminellen, die das Leben auslöschen wollten, und anständigen Menschen, die das Leben schützen wollten. Wenn ein Terrorist im Namen Gottes einen unschuldigen Menschen ermorde, sei das ein Angriff auf alle Gläubigen.

Trump betonte aber auch, der Nahe Osten müsse sich „ehrlich der Krise des islamistischen Extremismus stellen“. Die USA seien bereit, den Staaten in der Region zur Seite zu stehen. Aber die Länder könnten nicht einfach darauf warten, dass die US-Armee den Kampf für sie übernehme. „Sie müssen selbst entscheiden, was für eine Zukunft sie wollen, für sich selbst, für ihre Nationen und für ihre Kinder“, erklärte der US-Präsident im König Abdulasis-Konferenzzentrum, wo sich Staatschefs von 35 muslimischen Staaten in Nahost, Afrika und Asien zum sogenannten arabisch-amerikanisch-muslimischen Gipfel versammelt hatten.

Am Vortag war der Mann aus dem Weißen Haus auf der Arabischen Halbinsel mit großem Pomp empfangen worden. Plakatfotos mit Trump und König Salman unter dem Motto „Gemeinsam siegen wir“ säumten die Straßen. Kampfflugzeuge donnerten zur Begrüßung über die Köpfe hinweg.

Beim Treffen im Murabba-Königspalast vereinbarten die beiden Staatschefs den größten Rüstungsauftrag in der US-Geschichte. „Das war ein enormer Tag, das sind enorme Investitionen in Amerika, hunderte Milliarden Dollar und Jobs, Jobs, Jobs“, triumphierte Trump. Das Kriegsgerät solle Saudi-Arabien helfen, dem „schädlichen Einfluss des Iran“ etwas entgegenzusetzen, erklärte US-Außenminister Rex Tillerson. Den wiedergewählten iranischen Präsidenten Hassan Ruhani rief Tillerson auf, die Meinungsfreiheit und Versammlungsfreiheit umzusetzen. Über die Menschenrechtslage in Saudi-Arabien dagegen, wo der Blogger Raif Badawi seit fast fünf Jahre hinter Gittern sitzt, verlor er kein Wort.

Trumps Ehefrau Melania und seine Tochter Ivanka erregten beim Staatsbesuch großes Aufsehen. Beide Frauen traten in dem ultrakonservativen Königreich ohne Kopftuch auf. Der saudische König Salman schüttelte der First Lady am Samstag nach der Ankunft am Flughafen auch kurz die Hand, was für viele strenggläubige Muslime in Saudi-Arabien ein anstößiges Verhalten sein dürfte. Michelle Obama hatte 2015 beim Besuch ihres Mannes Barack bei den Saudis noch für Empörung gesorgt. Jetzt rühmten Saudis auf Twitter Ivankas Aussehen.

Für Saudi-Arabien hat der Trump-Besuch mit Blick auf den Erzrivalen Iran hohe strategische Bedeutung. Das Königreich kann demonstrieren, dass es als Hüter von Mekka und Medina die Führungsposition unter den muslimischen Nationen hat. Mit ihren Waffenverkäufen verpflichten die Saudis die USA de facto, im Falle eines militärischen Konflikts den Schutz der Monarchie zu garantieren. Darüber hinaus strebt Saudi-Arabien nach einer pan-islamischen Allianz, eine sunnitisch-muslimische Nato an, die sich als Bollwerk gegen die sunnitischen Dschadisten und gegen die pan-schiitischen Militärpläne von Iran, Hisbollah, dem Assad-Regime und Iraks Milizen versteht. Nur ganz vereinzelt gab es Stimmen, die die arabischen Machthaber warnten, zu naiv auf Trump zu vertrauen. „Donald Trump ist ein lächerlicher Mann, er ist ein kindischer Mann. In den USA gilt er als Witzfigur, als Rassist, als ein Mann ohne Eigenschaften, ohne Perspektiven, ohne Visionen, ohne Werte“, urteilte Fawaz A. Gerges, Professor für internationale Beziehungen an der London School of Economics. „Ich kann nur hoffen, dass die arabischen Führer nicht alle ihre Eier in dieses Nest legen. Denn es ist voller Löcher.“

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