Hurrikan-Schäden nur teilweise versichert

Nur ein Teil der Schäden, die Sturm „Irma“ in Übersee verursacht hat, ist versichert. Die Gesamtsumme lässt sich im Moment noch schwer ermitteln.

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Wie groß die Schäden durch Hurrikan Irma sind, darüber gibt es bisher nur wilde Spekulationen, genauso wie bei „Harvey“, der im August insbesondere Texas verwüstet hatte. Doch da sich in Monte Carlo just derzeit die weltweite Rückversicherungsbranche trifft, werden schon Zahlen genannt.

Bei „Harvey“ ist die Einschätzung leichter. Die Schäden durch Überflutungen sollen 80 Milliarden Dollar (67 Milliarden Euro) übersteigen. Davon sollen aber nur 20 bis 30 Milliarden Dollar versichert sein. Hinzu kommen könnten noch die Folgen von Betriebsunterbrechungen bei Firmen, deren Dauer nicht absehbar ist. Bei „Irma“rechnete ein Risikospezialist 15 bis 50 Milliarden Euro allein in den USA hoch.

Große Risiken wie bei Industrieanlagen trägt nie ein Versicherungsunternehmen allein. Um nicht durch große Schäden ins Wanken zu geraten, sucht es sich immer mehrere Rückversicherer, die einen Teil des Risikos übernehmen. Dies ist ein ganz spezieller weltweiter Markt, auf dem die Münchner Rückversicherung (Munich Re) der eindeutige Marktführer ist, gefolgt von der Swiss Re und der Hannover Rück.

Wie bei früheren Naturkatastrophen zeigt sich wieder, dass ein erheblicher Teil der Schäden nicht versichert ist – weil die Betroffenen keinen Vertrag abgeschlossen haben, die Versicherungssumme zu niedrig ist oder keine Versicherung das Risiko übernehmen wollte. So war beim bisher teuersten Hurrikan „Katrina“ 2005 nur knapp die Hälfte des Gesamtschadens von 125 Milliarden Euro versichert.

Trotz der gewaltigen Schäden durch „Irma“ stieg am Montag der Aktienkurs der Munich Re, eines Schwergewichts im Dax, um mehr als vier Prozent. Denn die Anlieger hoffen, dass der Preisverfall bei den Versicherungsprämien gestoppt wird. Im weltweiten Naturkatastrophengeschäft gebe es ein Überangebot bei Rückversicherungen, heißt es bei der Hannover Rück. In Nordamerika seien die Preise um drei bis sieben Prozent gesunken.

Gemessen an Amerika sind die Schäden durch Unwetter hierzulande fast schon bescheiden. Die schwere Unwetterserie zwischen Ende Juni und Anfang Juli, allen voran die Tiefdruckgebiete „Paul“ und „Rasmund“, kosteten die Versicherer rund 600 Millionen Euro. Etwa die Hälfte entfiel auf beschädigte Häuser, Hausrat und Gewerbegebiete, die andere auf kaskoversicherte Autos. Im gesamten Jahr 2016 addierten sich die versicherten Schäden durch Stürme, Hagel und Starkregen auf zwei Milliarden Euro. Damit fiel das Jahr etwas unterdurchschnittlich aus: Im Schnitt der letzten Jahre waren es 2,4 Milliarden Euro.

Auch in Deutschland sind längst nicht alle Risiken versichert. So haben 60 Prozent der Hausbesitzer keine Absicherung gegen Starkregen, Hochwasser und Überschwemmungen.

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