HINTERGRUND: Was bleibt den Beschäftigten?

Am Ende blieb nur das Scheitern. Eine Auffanggesellschaft für die 11 000 Schlecker-Beschäftigte wird es nicht geben. Welche Optionen bleiben ihnen noch? Nachfolgend die wichtigsten Antworten.

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Welche Möglichkeiten haben die betroffenen Schlecker-Beschäftigten?

Vielen bleibt wohl nur der Gang zur Arbeitsagentur. Anspruch auf

Arbeitslosengeld hat, wer Voraussetzungen wie die Anwartschaftszeit

erfüllt. Das ist in der Regel dann der Fall, wenn man in den letzten zwei Jahren mindestens ein Jahr versicherungspflichtig beschäftigt war. Wie gut die Job-Chancen für die Betroffenen sind, wird unterschiedlich beurteilt. Gewerkschafter sind pessimistisch, die Bundesagentur für Arbeit sieht gute Chancen. Derzeit gebe es bundesweit 25 000 offene Stellen für Verkäuferinnen. Allerdings sind viele der bei Schlecker beschäftigten Frauen gering qualifiziert.

Was bringt den Mitarbeitern der Gang vor Gericht?

In der Fachsprache ist die Rede von einer Kündigungsschutzklage. Sie muss nach Eingang der Kündigung innerhalb von drei Wochen beim zuständigen Arbeitsgericht eingereicht werden. Bei Erfolg kann die Kündigung sogar für unwirksam erklärt werden. Das kann der Fall sein, wenn zum Beispiel die Sozialauswahl nicht richtig getroffen wurde. Der Beschäftigte bekäme seinen Job wieder. Bei Schlecker rechnen Experten mit einer Klagewelle.

Welche Folgen hat das für das Unternehmen?

Die Aussicht auf zahlreiche Klagen und langwierige Gerichtsverfahren könnten potenzielle Investoren abschrecken. Sollten Kündigungen gar zurückgezogen werden, müsste der Investor auch diese Mitarbeiter übernehmen. Da der mögliche Käufer aber bei Geschäftsabschluss nicht absehen kann, wie viele der bisher gekündigten Mitarbeiter er übernehmen müsste, könnte es den Deal unattraktiv machen - im schlimmsten Fall hat er mehr Personalkosten als geplant. "Kein Kaufinteressent wäre bereit, das Risiko mit der Übernahme einzugehen", sagt das Vorstandsmitglied des Deutschen Anwaltvereins, Michael Eckert, aus Heidelberg.

Was müssen die verbleibenden Mitarbeiter befürchten?

Zunächst einmal übernimmt der Investor auch alle bestehenden Verträge, wie sie sind. Es können allerdings auch Änderungsverträge abgeschlossen werden, die niedrigere Gehälter für die Beschäftigten bedeuten. Darüber wird laut Verdi noch verhandelt. Einem Gutachten zu Schlecker zufolge sind die Aussichten für ein Überleben der Kette düster.

Was bringt der Sozialplan den gekündigten Mitarbeitern?

Der vereinbarte Sozialplan ist zunächst einmal gesetzlich vorgeschrieben. Er könnte den Mitarbeitern etwa Abfindungen ermöglichen. Bei einer Insolvenz sind diese aber Teil der Insolvenzmasse und diese wird erst am Ende des Verfahrens festgesetzt. Das bedeutet: Die Beschäftigten müssten möglicherweise monate- oder gar jahrelang auf die Abfindung warten. Experten zufolge dürften die Abfindungen dann aber auch nicht allzu hoch ausfallen - das hängt davon ab, wie groß die Insolvenzmasse ist. Was hätte eine Transfergesellschaft den Mitarbeitern gebracht?

Sie hätte die Beschäftigten vor dem unmittelbaren Sturz in die Arbeitslosigkeit bewahrt. In der Transfergesellschaft hätten sie ein halbes Jahr lang 80 Prozent ihres letzten Nettogehalts bekommen. Außerdem hätten solche Gesellschaften den ehemaligen Schlecker-Mitarbeitern geholfen, möglichst schnell einen neuen Job zu finden - unter anderem durch Qualifizierungsmaßnahmen. Skeptiker sind allerdings überzeugt, dass die Arbeitsagentur das genauso gut kann wie eine Transfergesellschaft.

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Themenschwerpunkt

Die Schlecker-Pleite

2012 meldete Schlecker, Europas ehemals größte Drogeriemarktkette, Insolvenz an. Damals hatte Schlecker noch 7000 Filialen und etwa 30.000 Mitarbeiter.

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