Helmut Schmidt: "Bin ein zähes Aas"

Helmut Schmidt erklärt China: "Ekelhaft überheblich" nennt der Altkanzler die Haltung, Peking solle das westliche Demokratiemodell übernehmen.

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Im gerade begonnenen "Jahr des Drachen" feiern Deutschland und China das 40-jährige Bestehen ihrer diplomatischen Beziehungen. Peking schickt zahlreiche Kulturschaffende auf Tournee durch die Bundesrepublik, drei große Stiftungen (Bosch, Bertelsmann, Körber) bringen Experten aus Medien, Wirtschaft, Recht und Kultur zusammen. An diesem Abend Altkanzler Helmut Schmidt (93) und Politik-Professor Gu Xuewu (54) von der Uni Bonn.

Im Allianz-Forum am Brandenburger Tor drängeln sich 540 Zuhörer, per Internet schicken chinesische Blogger ihre Fragen an den "ehrenwerten Großvater Schmidt". Der sitzt in seinem Rollstuhl, hat einen Kopfhörer auf und bittet um einen Aschenbecher. Vier Mentholzigaretten in 90 Minuten wird Schmidt inhalieren. Das Publikum nimmt es amüsiert zur Kenntnis.

Der Moderator präsentiert den Genossen als "einzigen noch lebenden Deutschen, der einst mit Mao gesprochen hat". Das war 1975, als der damalige Bundeskanzler damit begann, "China zu verstehen". Seither ist Schmidt viele Male im Reich der Mitte gewesen, er hat sich in chinesische Geschichte eingelesen, die Lehren des Konfuzius studiert und begriffen, dass zu kurz springt, wer China nur als boomenden Riesenmarkt oder kommunistische Diktatur betrachtet.

Deutlich wird der Sozi, wenn er um Empfehlungen für das politische System Chinas gebeten wird. Soll Peking das westliche Demokratiemodell übernehmen? Hinter dieser Haltung stecke "deutsche Arroganz", wettert Schmidt, die findet er "ekelhaft überheblich". Was rät er Angela Merkel, soll sie mit der chinesischen Führung über Menschenrechte reden? "Ich rate ihr gar nichts", knurrt der Vorgänger, "das muss sie selbst wissen." Sind Investitionen Pekings in Europa nicht bedrohlich? "Sollen wir das den Amerikanern mit ihren Scheiß-Hedgefonds überlassen?", ätzt Schmidt.

Die Zuhörer kommen auf ihre Kosten, der alte Herr ist in Bestform. Am Schluss fragt eine Gruppe von Bloggern aus China nach dessen Geheimrezept für sein schon so langes Leben. Ein Lächeln huscht über Schmidts Gesicht: "Vermutlich sind das die Gene. Man kann es auch auf Hamburgisch sagen: Der Kerl ist ein zähes Aas."

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