Hassan Rowhani: Der neue Präsident des Iran

Eine „Charta der Freiheitsrechte“ versprach Hassan Rowhani, der neue als Bewerber für die Präsidentschaft des Irans - und wurde gewählt. Und noch in einem weiteren Punkt unterscheidet sich Rowhani von seinem Vorgänger Ahmadinedschad.

|
Von Mahmud Ahmadinedschads aggressiven Atomkurs und großmäuliger Außenpolitik distanzierte sich Irans neuer Präsident Rowhani bereits wenige Wochen nach dessen Amtsantritt 2005 und trat von der internationalen Bühne ab  Foto: 
Nur wenige mutige Sätze waren es, die ihm am Ende die Herzen der von jahrelanger Tyrannei zermürbten Iraner zufliegen ließen. Es gebe eine „erdrückende Sicherheitsatmosphäre“ im Land, kritisierte Hassan Rowhani und versprach seinen Wählern eine neue „Charta der Freiheitsrechte“. Er werde alle Schlösser öffnen, die das Leben der Menschen in den letzten acht Jahren angekettet hätten. „Lange leben die Reformen“, skandierte eine begeisterte Menge, als sie dem 64-jährigen Geistlichen bei seiner Schlusskundgebung in der Pilgermetropole Maschad einen enthusiastischen Empfang bereitete. Seit die Ex-Präsidenten Mohammed Khatami und Ali Akbar Rafsandjani wenige Tage vor der Abstimmung ihr gesamtes politische Prestige hinter den früheren Atomunterhändler geworfen hatten, wurde Hassan Rowhani von einer Welle öffentlicher Sympathie getragen, die den ruhigen und introvertierten Kleriker am Freitag bereits in der ersten Wahlrunde zum spektakulären Sieger der iranischen Präsidentenwahl machte.

Geboren wurde Rowhani 1948 in Örtchen Sorkheh östlich von Teheran. Schon als junger Theologiestudent in Qom machte er sich einen Namen als politischer Gegner von Schah Reza Pahlevi. Nach seinem Juraexamen in Teheran 1972 promovierte er in Glasgow an der polytechnischen Hochschule, der späteren Caledonian University. Mit der Islamischen Revolution von Ajatollah Khomeini, den er in dessen Exil in Paris kennengelernt hatte, kehrte Rowhani in seine Heimat zurück. Während des Irakkrieges von 1980 bis 1988 diente er als Kommandeur bei der iranischen Luftabwehr. Von 1980 bis 2000 gehörte er fünf Legislaturperioden lang dem iranischen Parlament an, unter anderen als stellvertretender Sprecher. Unter Präsident Rafsandjani amtierte Rowhani von 1989 bis 1997 als Generalsekretär des Nationalen Sicherheitsrates. In diese Zeit fielen zahlreiche spektakuläre politische Morde an Regimegegnern im Ausland, unter anderem das Mykonos-Attentat in Berlin. Nachfolger Mohammed Khatami behielt ihn als Chef des Nationalen Sicherheitsrats, ernannte ihn 2003 darüber hinaus zum Chefunterhändler mit der internationalen Atomenergiebehörde in Wien (IAEO), nachdem iranische Exilkreise das geheime Atomprogramm Teheran an die Weltöffentlichkeit gebracht hatten. Unter Rowhanis Regie erklärte sich Iran damals bereits, die geheime Urananreicherung zu stoppen.

Von Mahmud Ahmadinedschads aggressiven Atomkurs und großmäuliger Außenpolitik distanzierte sich Rowhani bereits wenige Wochen nach dessen Amtsantritt 2005 und trat von der internationalen Bühne ab. „Wir wollen konstruktive Zusammenarbeit mit der übrigen Welt. Wir werden nicht zulassen, dass das alles weitergeht, wie in den letzten acht Jahren“, versprach der Präsidentschaftskandidat im Wahlkampf unter dem tosenden Beifall seiner Zuhörer. Irans Freunde in der Welt könne man inzwischen an den Fingern einer Hand abzählen, beklagte er, „und das sind alles Staaten, die kein internationales Gewicht und Prestige haben“. Noch nie in der Geschichte seien die Beziehungen zwischen Iran und Europa so frostig gewesen. Ahmadinedschads Politik habe internationale Sanktionen über das Land gebracht und „diese Leute sind auch noch stolz darauf“. Er aber wolle eine andere Politik – eine Politik der Aussöhnung und des Friedens, versprach er und kündigte an, als Präsident direkte Gespräche mit den Vereinigten Staaten aufzunehmen.
Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Themenschwerpunkt

Martin Gehlen: Berichte aus Nahost

Revolution in Ägypten, Umbruch in Bahrein, Wahlen im Iran: Martin Gehlen, Korrespondent der SÜDWEST PRESSE berichtet täglich aktuell aus dem Nahen Osten. Hier lesen Sie alle Artikel des Autors.

mehr zum Thema

Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Neue Wege am Ulmer Hauptbahnhof: Rund um Stege und Gleise

Die Fußgänger am Hauptbahnhof müssen sich wieder umgewöhnen. Probleme gibt es vor allem, wenn vorgegebene Wege nicht eingehalten werden. weiter lesen