Haftstrafen nach Prügelattacke auf Fußballprofi Großkreutz

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Einer der Angeklagten wird im Prozess um die Prügelattacke auf Kevin Großkreutz in den Gerichtssaal in Stuttgart geführt. Foto: Sebastian Gollnow  Foto: 

Langes Warten auf den Weltmeister: Am Ende blieb Fußballprofi und Prügelopfer Kevin Großkreutz dem Stuttgarter Prozess ganz und gar fern, in dem zwei junge Männer zu Haftstrafen verurteilt wurden.

Sie hatten den Star in der Nacht zum 28. Februar in Stuttgart krankenhausreif geprügelt. Ein Vorfall, mit dem die Karriere des Weltmeisters von 2014 einen weiteren Knick bekam - schließlich setzte ihn der damalige Zweitligist VfB Stuttgart fristlos vor die Tür. Inzwischen spielt er bei Darmstadt 98, wo er trainierte, während man ihn in Stuttgart erwartete.

Die beiden Schläger sind einschlägig vorbestraft. Das Amtsgericht verurteilte den 17-Jährigen, der zur Tatzeit unter Bewährung stand, wegen gefährlicher Körperverletzung zu einer Jugendstrafe von zwei Jahren und neun Monaten Haft. Gegen den 18-Jährigen wurde, unter Einbeziehung eines anderen Urteils, wegen Körperverletzung eine Jugendstrafe von einem Jahr und sieben Monaten Haft verhängt.

Juristische Folgen hat das Schwänzen für den ehemaligen Nationalspieler nicht. Das Amtsgericht lehnte ein von der Staatsanwaltschaft beantragtes Ordnungsgeld ab. Grund: Die Ladung erfolgte formlos und ohne Empfangsbeleg. Bei Darmstadt 98 hieß es schlicht, er habe keine neue Vorladung bekommen. Schon am ersten Prozesstag Ende September fehlte der Zeuge Großkreutz - damals krankheitsbedingt.

Was genau in der Prügel-Nacht in der Nähe des Stuttgarter Rotlichtviertels passierte, wer wen zuerst provoziert hat, wer wen zuerst geschubst oder geschlagen hat, konnte im Prozess nicht geklärt werden. Zeugen aus beiden Gruppen schilderten die Abläufe unterschiedlich. Einig waren sie sich aber: Ein Großteil der Beteiligten war betrunken. Warum beide Gruppen derart aneinander gerieten, wusste niemand mehr.

Großkreutz sei „wild gestikulierend und schreiend“ auf sie losgestürmt, sagte ein Zeuge aus der Gruppe der Angeklagten. Die Großkreutz-Gruppe sah die Aggressoren eher auf der Gegenseite. Auf jeden Fall lag Großkreutz am Ende bewusstlos mit einer Kopfverletzung im Krankenhaus. Er war mit etlichen Jugendspielern auf Partytour - was ihm sein damaliger Arbeitgeber, der VfB Stuttgart, übel nahm.

Der damalige Zweitligist zeigte dem Profi kurz nach dem Vorfall die Rote Karte. Auf dem Weg zurück in die Bundesliga könne der Club keine Unruhe abseits des Platzes gebrauchen, hieß es beim VfB. Spieler der ersten Mannschaft hätten eine besondere Vorbildfunktion, sagte der damalige Sportvorstand, Jan Schindelmeiser. „Dieser Rolle ist er nicht gerecht geworden.“

Beim VfB kann keiner sagen, er habe nicht gewusst, worauf er sich bei Großkreutz einlässt, als der gebürtige Dortmunder im Januar 2016 verpflichtet wurde, um den Abstieg in die Zweite Liga zu verhindern. Identifikationsfigur zwar - doch immer auch in der Lage, über die Stränge zu schlagen. So wie etwa beim angeblichen Dönerwurf 2014 in der Kölner Innenstadt oder einer Pinkelaffäre wenig später, als er im Anschluss an das gegen Bayern München verlorene DFB-Pokalfinale in der Lobby eines Berliner Hotels volltrunken uriniert haben soll.

Mit Tränen in den Augen hatte sich Großkreutz Anfang März vom VfB verabschiedet. „Ich habe einen Fehler gemacht, der mir sehr leid tut“, waren seine Worte. Der Club löste den Vertrag mit dem Rechtsverteidiger mit sofortiger Wirkung auf. Den Aufstieg im Sommer 2017 erlebte er nicht mehr mit.

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