Vogelgrippe in Schleswig-Holstein

An toten Wildvögeln an mehreren Plöner Seen ist erstmals in Schleswig-Holstein der Geflügelpest-Erreger des Subtyps H5N8 nachgewiesen worden.

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Seit dem Wochenende wurden mehr als 100 tote Wasservögel am Großen Plöner See sowie an umliegenden kleineren Seen entdeckt. Foto: Carsten Rehder

An toten Wildvögeln an mehreren Plöner Seen ist erstmals in Schleswig-Holstein der Geflügelpest-Erreger des Subtyps H5N8 nachgewiesen worden.

Das hat das für Tierseuchen zuständige Friedrich-Loeffler-Institut bestätigt. „Das akute Krankheitsgeschehen bei den Wildvögeln ist in dieser massiven Ausprägung besorgniserregend“, sagte Schleswig-Holsteins Landwirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne).

Es handelt es sich um eine Geflügel stark krankmachende Variante, die deswegen auch Geflügelpest genannt wird. Als Vorsichtsmaßnahme ordnete Habeck ein Stallpflicht für Geflügel wie Hühner, Puten oder Gänse im Bundesland sowie Sperr- und Beobachtungsgebiete an. Ihm sei bewusst, dass dies ein harter Eingriff sei, sagte Habeck. „Aber der Ausbruch in einem Bestand hätte noch gravierendere Folgen.“ Im Kreis Plön richtet das Veterinäramt einen Sperrbezirk von mindestens drei und ein Beobachtungsgebiet von mindestens weiteren sieben Kilometern um die Fundstellen der Wildvögel ein.

Seit dem Wochenende wurden mehr als 200 tote Vögel im Großen Plöner See und angrenzenden Seen entdeckt. Laut Umweltministerium handelt es sich überwiegend um gut genährte Reiherenten. Es sind aber auch andere Arten wie Blässhuhn, Schwan, Gans und Möwe betroffen. Am Dienstag bargen mit Mundschutz und Gummihandschuhen geschützte Mitarbeiter der örtlichen Stadtwerke etwa 50 weitere Kadaver.

An der deutsch-polnischen Grenze in der Nähe von Stettin (Szczecin) - etwa 500 Kilometer von Plön entfernt - ist die Vogelgrippe ebenfalls ausgebrochen. Das polnische Veterinäramt schloss einen Zusammenhang zu den jüngst entdeckten Vogelgrippe-Fällen in Deutschland nicht aus. Das Ausbreiten des Virus durch Zugvögel sei nicht zu kontrollieren.

Auch bei Wildvögeln am Bodensee ist Vogelgrippe festgestellt worden. Mehrere verdächtige Proben toter Reiherenten aus der Nähe von Konstanz wurden zum Nationalen Referenzlabor am Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) gesandt, wie das Agrarministerium am Dienstag in Stuttgart mitteilte. Dort werde nun geklärt, ob es sich um die stark krankmachende oder die weniger krankmachende Form handelt. Das Ergebnis liegt voraussichtlich am Mittwoch vor. Die Reiherenten waren vom Chemischen und Veterinäruntersuchungsamt Freiburg und vom Staatlichen Tierärztlichen Untersuchungsamt Aulendorf-Diagnostikzentrum positiv auf Vogelgrippe getestet worden.

- Das Vogelgrippe-Virus H5N8 kann in unterschiedlich gefährlicher Form auftreten. Ein hochpathogenes Influenzavirus H5N8 wurde nach Auskunft des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) erstmals Anfang 2014 in Südkorea bei Geflügel und Wildvögeln nachgewiesen.

- Seit November 2014 wurden H5N8-Viren in mehreren Geflügelbetrieben in Deutschland und anderen europäischen Ländern entdeckt.

- Infektionen von Menschen mit den Viren sind bislang weltweit nicht nachgewiesen worden. Eine Ansteckung über infizierte Lebensmittel ist nach Auskunft des Bundesinstituts für Risikobewertung „theoretisch denkbar, aber unwahrscheinlich“.

- H5N8-Viren war schon früher entdeckt worden, etwa 1983 in Irland.

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