GRUNDLAGEN: Von Märkten und Vertrauen

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Was sind Finanzmärkte?

Staaten bekommen ihr Geld fast ausnahmslos von privaten Kreditgebern. Sie geben Staatsanleihen heraus, das sind Schuldverschreibungen. Ver- und gekauft werden die Wertpapiere an den Finanzmärkten. "Die Märkte", das sind die Investoren und damit alle, die Geld anlegen; manche zur Altersvorsorge, andere, um auf Kursgewinne zu spekulieren. Auch der einfache Verbraucher, der eine Lebensversicherung hat oder einen Bausparvertrag hat, ist Teil des Finanzmarktes. Seine Versicherung, seine Bank oder sein Fonds legen das Geld auch wieder an, oft in Staatsanleihen.

Was sind Staatsanleihen?

Staaten machen Schulden, aber anders als der Privatmensch, der einen Kredit für sein Haus bei der Bank aufnimmt. Die Kredite der Staaten heißen Staatsanleihen, und das sind Wertpapiere, die an der Börse gehandelt werden. Daraus ergeben sich steigende oder fallende Kurse mit entsprechend veränderten Zinsen. Sie sind gewissermaßen die Fieberkurve der Schuldenkrise. Kein Land kann dauerhaft mehr als sieben Prozent Zinsen zahlen.

Was bedeutet Vertrauen?

Geld legt man nur dort an, wo man sicher sein kann, es wieder zurückzubekommen. Die Länder Europas, des weltweit größten Wirtschaftsraumes, galten als kreditwürdig im höchsten Maße. Niemand hätte sich vorstellen können, dass ein Land aus dem Euro-Verbund seine Schulden nicht mehr zurückzahlen könnte. Bis das ökonomische und politische Desaster mit Griechenland kam. Das Vertrauen der Investoren in die Zahlungsfähigkeit Athens sank. Sie zogen ihr Geld ab. Konkret: Sie verkauften Griechenlands Staatsanleihen, das drückte deren Kurs und ließ die Zinsen für neue Kredite auf bis zu 30 Prozent steigen. Griechenland war vom Kapitalmarkt abgeschnitten. Womit sollte der Staat seine Beamten und Rentner bezahlen und die Krankenhäuser und die Wasserversorgung? Die EU spannte staatliche Rettungsschirme auf.

Was ist eine Brandmauer?

Europa hilft Griechenland, weil jede Gemeinschaft einem der Seinen hilft. Die EU hilft Griechenland, Irland und Portugal und jetzt auch Spaniens Banken aber auch, weil es seine große Idee von Europa retten will. Das verlorene Vertrauen der Finanzmärkte könnte ansteckend wirken. Zweifeln die Finanzmärkte daran, dass Spanien oder Italien ihre Kredite zurückbezahlen, könnte sich das Ganze wiederholen: Kein Zugang mehr zum Kapitalmarkt, also staatliche Rettungsschirme. Nur dass Spanien oder Italien dafür zu groß sind, vom Rest der Retter finanziert zu werden. Also muss der Rettungsfonds ESFS und sein Nachfolger ESM mit so viel Kapital gefüllt werden, dass die Finanzmärkte erst gar nicht an Zahlungsausfälle denken. Das ist die Brandmauer, die vor der Ansteckungsgefahr schützen soll.

Was ist die Bedingung?

Die Höhe der Staatsverschuldung wird als Prozentsatz im Vergleich zur Wirtschaftsleistung eines Landes gemessen. 60 Prozent gilt als verträglich, was darüber hinausgeht als bedenklich, weil die Last aus Rückzahlung und Zinsen wächst. Und doch ist diese Zahl nicht mal die halbe Wahrheit. Sonst müssten die Kreditgeber aus der ganzen Welt den USA mit einer ähnlich hohen Verschuldung wie in den kriselnden Ländern in Südeuropa den Geldhahn zudrehen. Tun sie aber nicht. Denn den USA und Deutschland wird zugetraut, dass sie ihre Schulden immer bezahlen können. Die Länder unter dem EU-Rettungsschirm bekommen die Milliarden nur, wenn sie ihre Wirtschaft reformieren. Das ist die Bedingung, welche die Geber den Nehmern stellen. Sonst würde sich nichts verbessern. hes

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