Grüne unter Zugzwang

Bei mehr als zwei Bewerbern für die Spitzenkandidatur 2013 soll es eine Urwahl geben. So hat es der Grünen-Vorstand zugesagt. Ein einfaches Mitglied hat dies wörtlich genommen - und provoziert nun die Grünen.

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Der Schwabe Werner Winkler will die grüne Basis stärken. Privatfoto

Ein einfaches Parteimitglied will die Grünen zur Urwahl ihrer Spitzenkandidaten für die Bundestagswahl 2013 zwingen. Der 47-jährige Werner Winkler aus Waiblingen bei Stuttgart bestätigte, beim Bundesvorstand eine Bewerbung als Spitzenkandidat eingereicht zu haben. Ob es damit tatsächlich zu einer Urwahl kommt, ist indes völlig ungewiss. "Aus der Absichtserklärung, kandidieren zu wollen, ergibt sich noch keine Wahl", betonte Grünen-Bundesgeschäftsführerin Steffi Lemke.

Der Grünen-Vorstand hatte Mitte März beschlossen, dass es zwei Spitzenkandidaten geben soll, davon mindestens eine Frau. Zugleich wurde festgelegt, dass nur dann eine Urwahl stattfinden soll, wenn es mehr als zwei Bewerber gibt. Bislang hat Parteichefin Claudia Roth ihren Anspruch geltend gemacht. Ambitionen werden auch Fraktionschef Jürgen Trittin nachgesagt, aber auch andere Namen aus der Führung werden inzwischen genannt.

Der als Coach, Autor und psychologischer Berater tätige Winkler ist erst im Herbst 2010 bei den Grünen eingetreten - im Zuge der Proteste gegen das Bahnprojekt Stuttgart 21. Inzwischen ist er ehrenamtlicher Vorsitzender des Waiblinger Ortsverbandes. "Ich mag die Partei und ich mag ihre Themen", sagte er gegenüber der SÜDWEST PRESSE. Mit seiner Bewerbung verfolge er das "Minimalziel", die Urwahl durchzusetzen und so die "Mitwirkungsmöglichkeiten" der Basis zu stärken. "Ich werde nicht böse, wenn es mit der Spitzenkandidatur nicht klappt." Er hoffe aber auf einen "fairen Wettbewerb" und die Möglichkeit, sich zu präsentieren. Und - "ganz hypothetisch" - würde er es nicht ablehnen, im Falle einer Spitzenkandidatur und einer grünen Regierungsbeteiligung Minister zu werden: "Warum nicht."

Der gelernte Werbetechniker machte sich vor 15 Jahren nach Zusatzausbildungen selbstständig. Neben seiner Beratertätigkeit gibt er Kalligrafie-Seminare in einem Kloster. Politisch engagierte sich Winkler schon früher. Er war 2009 am Aufbau der "Freie Union" unter Gabriele Pauli beteiligt. "Ich fand es spannend, eine Partei zu gründen", sagt Winkler, der auch mal bei der SPD "hineingeschnuppert" hat. Schnell machte er dann als Pauli-Kritiker Schlagzeilen und kehrte der Bewegung wieder den Rücken.

Nun will Winkler für frischen Wind bei den Grünen sorgen. Die ersten Freundschaftsanfragen bei Facebook seien schon bei ihm eingegangen, gestern Morgen waren es "drei - plus zwei Zuschriften". Lemke verwies derweil auf die Satzung. Für eine Urwahl brauche es zunächst eine Wahlordnung, dann müssten die dafür legitimierten Gremien die Wahl beschließen. Die Wahlordnung und das Verfahren seien Thema auf dem Kleinen Parteitag Ende April in Lübeck. "Eine Bewerbung ist erst dann möglich, wenn eine Urwahl eingeleitet wurde", betonte Lemke.

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