Griechen heben Milliarden ab

Die griechische Krise scheint zurück zu sein. Viele Menschen heben aus Sorge vor einem Sieg des Linksbündnisses Syriza Geld ab. Doch noch ist unklar, wie weit Syriza im Fall eines Wahlsiegs gehen würde.

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Syriza-Chef Alexis Tsipras hat den Sieg bei den vorgezogenen Neuwahlen Ende Januar fest im Blick.  Foto: 

Knapp vier Wochen vor den vorgezogenen Parlamentswahlen wachsen die Sorgen vieler Griechen vor einer neuerlichen Zuspitzung der Wirtschafts- und Schuldenkrise. Aus Angst vor politischen und wirtschaftlichen Turbulenzen hoben Medienberichten zufolge im Dezember zahlreiche Sparer und Unternehmen insgesamt 2,5 Milliarden Euro von ihren Bankkonten ab. Einige Experten diskutieren wieder offen über einen möglichen Austritt Griechenlands aus der Eurozone.

Die derzeitige "Mini-Kapitalflucht" sei ungewöhnlich und lasse sich nur damit erklären, dass die Bürger sich große Sorgen angesichts der vorgezogenen Wahlen am 25. Januar machen, berichtete die konservative Athener Zeitung "Kathimerini". Die Tendenz, Geld abzuheben, hatte demnach bereits im November im Umfang von rund 200 Millionen Euro begonnen. Ein Ansturm auf die Banken sei dies nach Schätzungen von Fachleuten eindeutig nicht. Die Entwicklung zeige aber die Besorgnis der Bürger.

Die Banken wollen verstärkt darauf achten, dass auf keinen Fall ein "Bank Run" ausgelöst wird: Die Institute sorgten dafür, dass alle Geldautomaten stets ausreichend bestückt sind, sagte ein Bankdirektor.

Aktuelle Umfragen in Griechenland zeigen einen Vorsprung der Linkspartei Bündnis der radikalen Linken (Syriza) von Alexis Tsipras. Aber was will Syriza eigentlich?

Tsipras frohlockte zu Silvester bereits, die Griechen könnten sich aus vollem Herzen "ein gutes neues Jahr wünschen", denn das Spardiktat der ausländischen Geldgeber werde schon "in wenigen Tagen Vergangenheit sein". Wie das praktisch aussehen könnte, erläuterte jetzt Giannis Tolios, Mitglied des Syriza-Zentralkomitees, in einem Fernseh-Interview.

Der 67-jährige Kommunist Tolios arbeitete als Ökonom am Athener "Zentrum für Marxistische Studien". Er sagte, wenn die Gläubiger Griechenlands den geforderten Schuldenschnitt verweigern sollten, werde eine Syriza-Regierung die Zinszahlungen an die EU und den Internationalen Währungsfonds einstellen. Man werde "ein-, zweimal" zu den Gläubigern hinfahren und einen Schuldenschnitt verlangen. "Wenn sie nicht zustimmen, warnst Du sie: Dann zahle ich keine Zinsen mehr!" Auf die Frage, ob das nicht einen Zahlungsausfall und den Staatsbankrott bedeute, sagte Tolios schulterzuckend: "Na und?"

Auch Giannis Milios, wirtschaftspolitischer Sprecher von Syriza, kann sich vorstellen, dass Griechenland den Schuldendienst einstellt. Das sei schließlich Ziel der geplanten Verhandlungen. Man könne deshalb die Zinszahlungen bereits vorab beenden. Das wäre allerdings ein Spiel mit dem Feuer. "Es gibt kein Erpressungspotenzial mehr", sagte der stellvertretende Unionsfraktionschef Michael Fuchs der "Rheinischen Post". "Die Zeiten, in denen wir Griechenland retten mussten, sind vorbei." Griechenland, so Fuchs, sei "nicht systemrelevant für den Euro."

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