Geschäft mit dem Grauen

Einst haben sie Schrecken verbreitet. Jetzt sollen in Paris Folterinstrumente unter den Hammer kommen. Daran stören sich nicht wenige.

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Wer es gerne ein wenig gruselig mag, dem wird nächste Woche in Paris eine einmalige Chance geboten, seine Inneneinrichtung auf makaber zu trimmen. Im Angebot wäre da etwa ein Inquisitions-Stuhl, dessen Sitzfläche mit Holzspitzen übersät ist. Sehr dekorativ nimmt sich auch jener Hinrichtungsstrick aus, auf dem ein Henker sein Autogramm hinterließ. Oder jenes leicht angerostete Gerät mit zwei Schraubgewinden, das im Mittelalter dazu diente, beim Verhör die Hände der Verdächtigen zu zerquetschen. Beinahe seine gesamte zweite Lebenshälfte hat Fernand Meyssonnier dem Zusammentragen einer 800 Bücher, Dokumente und Folterwerkzeuge umfassenden Sammlung gewidmet, die am 3. April im Pariser Hotel Salomon de Rothschild unter den Hammer kommt.

Der 2008 verstorbene Franzose darf durchaus als Kenner bezeichnet werden, schließlich war er einer der letzten Henker der Republik. Von 1947 bis 1959 hat der Staatsdiener als "Chefvollstrecker" der Justiz im damals zu Frankreich gehörenden Algerien 198 Menschen vom Leben in den Tod befördert. 200 000 Euro mindestens sollte die Versteigerung der zum Teil "absolut einzigartigen Objekte" einspielen, meint Auktionator Gaetan Brunel.

Die Ausstellung der Foltergeräte freilich empört ein halbes Dutzend Menschenrechtsorganisationen, die die "schockierende" Versteigerung verhindern wollen. "Man kann doch nicht Werkzeuge des Leidens, der Folter und des Todes auf den Markt werfen wie Kunstdrucke oder Silberleuchter", schimpft ein Sprecher der französischen Organisation für die Abschaffung der Todesstrafe. Amnesty International und die Liga gegen den Rassismus appellieren an das Kultusministerium, von seinem Vorkaufsrecht Gebrauch zu machen und so die Foltergeräte aus dem Verkehr zu ziehen.

Die eingeschaltete Kommission für den französischen Kunstmarkt hingegen hält die geplante Versteigerung für legal. Sie begnügte sich mit einer Aufforderung an den Auktionator, dafür zu sorgen, dass bei der Veranstaltung nicht gegen den guten Geschmack oder die Empfindsamkeit Einzelner verstoßen werde. Bleibt die Frage, wie empfindsam der Bieterkreis sein wird.

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