Gerichtsverhandlung zur Klage der DFL gegen den Bremer Senat beginnt

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    Gefahrenlage: Anhänger des Hamburger SV versuchten im April 2015, sich an den Polizisten vorbei ihren Weg in das Bremer Weserstadion zu bahnen. Foto: 
  • Randale vor dem Derby: In diesem April wüteten Fans des Karlsruher SC in dem Regionalzug, der sie zu dem Gastspiel beim VfB brachte.  2/2
    Randale vor dem Derby: In diesem April wüteten Fans des Karlsruher SC in dem Regionalzug, der sie zu dem Gastspiel beim VfB brachte. Foto: 
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Der Weg ins Stadion wird auch an diesem Samstag kein leichter sein, obwohl der VfB Stuttgart den Aufstieg in die Bundesliga so gut wie gemeistert hat. Mehrere hundert Polizisten sind rund um das letzte Heimspiel dieser Saison, zu dem der Traditionsklub die vom Abstieg bedrohten Würzburger empfängt, im Einsatz. Sie überwachen und kontrollieren in der Innenstadt, am Bahnhof, auf den Einfallstraßen, an Raststätten auf der Autobahn und im Bereich der Mercedes-Benz-Arena. Zwar gelten die Anhänger des Außenseiters aus Franken keineswegs als gewaltbereit, doch in Zeiten der latenten Terrorgefahr lautet in den von Zuschauern hoch frequentierten Spielen des Spitzenfußballs der Auftrag im Sinne der Allgemeinheit: Sicher ist sicher. Das Duell des VfB mit den Würzburgern ist laut Definition der Deutschen Fußball-Liga (DFL) kein Hochrisikospiel, was die Hüter der Staatskasse wohlwollend registriert haben dürften. Es ist kein weiterer Aufwand zum Schutz der Stadionbesucher zu erwarten.

Urteil mit Tragweite

Wer muss die Kosten für die Polizeieinsätze, die rund um die Partien des deutschen Profifußballs anfallen, tragen? Diese Frage sollen in dem Fall, der am Mittwoch im Verwaltungsgericht Bremen auf dem Terminplan steht, geklärt werden. Das Thema ist heikel, es geht um viel Geld und den Grenzbereich zwischen Sport und Politik. Wie auch immer die Richter in der Hansestadt entscheiden werden: Es ist ein Präzedenzfall, das Urteil scheint von bundesweiter Tragweite. Ist der Staat auch in Zukunft für Schutz und Sicherheit rund um die Spiele verantwortlich? Oder müssen die Vereine und Verbände, die von dem Milliardengeschäft Fußball profitieren, den Preis für die Sondereinheiten der Beamten bezahlen?

Konkret geht es um die Klage des Landes Bremen, das den Aufwand für vermeintlich riskante Partien des Bundesliga-Klubs Werder der DFL in Rechnung stellen möchte. Inhaltlich haben sich die Juristen mit dem 100. Nordderby zwischen Werder und dem Hamburger SV, das am 19. April des Jahres 2015 im Bremer Weserstadion ausgetragen wurde, zu beschäftigen. Es sollte der Festtag des norddeutschen Fußballs werden, doch es war vor allem: ein Hochrisikospiel, mit mehr als 1000 Polizisten im Einsatz. Die Kosten in Höhe von 425 718,11 Euro stellte das Land Bremen der DFL per Gebührenbescheid in Rechnung, im April 2016 klagte die Liga dagegen.

Als Hochrisikospiel wird ein Fußballduell bezeichnet, das aus bestimmten Gründen wie der Feindschaft unter gegnerischen Anhängern oder bei konkreten Terrorlagen unter erhöhten Sicherheitsvorkehrungen ausgetragen werden muss. Dazu zählen regional brisante Partien wie Werder gegen den HSV oder das Landesderby des VfB gegen den KSC.

Wie verärgert die Verantwortlichen der DFL über das Vorhaben der Hanseaten sind, lässt sich an den drastischen Worten des Obersten erkennen. „Der Bremer Alleingang ist mit unseren verfassungsrechtlichen Grundsätzen nicht vereinbar“, sagt Reinhard Rauball, der Präsident der Liga. Die DFL werde ich mit allen juristischen Mitteln zur Wehr setzen und bei Bedarf bis vor das Bundesverfassungsgericht klagen. Mit Vehemenz versuchen die ­Liga-Bosse dem Dammbruch zu verhindern. Es geht um Beträge in Millionenhöhe.

Dagegen sieht der Plan des Bremer Innensenats vor, die DFL an den Kosten für Hochrisiko­spiele zu beteiligen. Die entsprechende Änderung der Gebührenregeln, die alle gewinnorientierten Veranstaltungen mit mehr als 3000 Besuchern betrifft, hat die rot-grüne Landesregierung bereits beschlossen. In dem juristischen Streit mit den Fußballern sehen sich die Bremer klar im Recht. „Wir gehen davon aus, dass wir gewinnen“, sagte Rose Gerdts-Schiffler, Sprecherin der Innenbehörde. Sie erwägt ebenfalls den Gang durch alle Instanzen. Von Werder über den BGH zum VfB, da dürfte auch in Stuttgart mancher hellhörig werden.

Millionen Euro. So hoch sind die von der Hansestadt Bremen berechneten Außenstände bei der DFL für Einsätze der Polizei rund um Bundesliga-­Spiele. Der norddeutsche Stadtstaat ­verschickt als einziges Bundesland­ ­Zahlungsaufforderungen ­dieser Art
an die Bosse der Bundesliga.

Spiele (insg.) 178
Einsatzstärke 20 722
Geleistete Mannstunden 27 340
Zuschauer 2 562 420
Verletzte Personen 71
Verletzte Polizeibeamte 8
Strafanzeigen (insg.) 512
als Beleidigung 73
Sachbeschädigung 27
Körperverletzung 93
Sprengstoffgesetzverstoß 42

Saison 2015/2016
Quelle: Innenministerium Baden-Württemberg

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