Gauck stärkt Dündar den Rücken

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Bundespräsident Joachim Gauck (rechts) empfängt im Schloss Bellevue Can Dündar.  Foto: 

Bundespräsident Joachim Gauck hat den ehemaligen Chefredakteur der türkischen Tageszeitung Cumhuriyet, Can Dündar, zu einem 90-minütigen Gespräch in seinem Amtssitz empfangen. Der 55-jährige Journalist lebt seit ein paar Monaten in Berlin. Am Abend wurde Dündar für seine Verdienste um die Pressefreiheit vom Bundesverband Deutscher Zeitschriftenverleger mit der „Goldenen Viktoria“  ausgezeichnet. Dündar bedauerte, dass seine Frau Dilek ihn nicht begleiten könne. Die türkischen Behörden haben ihr den Reisepass entzogen. Dem Hausherrn von Schloss Bellevue überreichte der Gast, der vom Geschäftsführer von „Reporter ohne Grenzen“, Christian Mihr, begleitet wurde, sein jüngstes Buch mit dem Titel „Lebenslang für die Wahrheit“.

Entfremdung von Europa

Im Vorfeld des Besuchs hatte Dündar die Europäer wegen deren zunächst zögerlicher Haltung gegenüber den jüngsten Repressionen in der Türkei scharf kritisiert. Damit befördere der Westen die Eskalation in seinem Heimatland, erklärte Dündar. Die jüngsten Reaktionen der Bundesregierung allerdings bezeichnete der Journalist jetzt als „sehr hilfreich“. Der Empfang durch den Bundespräsidenten mache ihm Mut und schaffe Vertrauen. Das zeige, dass er und seine Mitstreiter in der Opposition nicht allein seien.

Dündar schilderte die Situation der Medien und der Opposition in der Türkei als sehr ernst. Aber es gebe Hoffnung durch die türkische Zivilgesellschaft, die größtenteils eine moderne Türkei wolle. Diese „andere Türkei“ gelte es zu unterstützen, sagte Dündar.    Joachim Gauck wiederholte seine Kritik. „Was ich derzeit in der Türkei beobachte“, so Gauck, „bestürzt mich.“  Er verfolge die jüngsten Ereignisse dort mit großer Sorge. Es gebe offenkundig einen Prozess struktureller Entfremdung zwischen der Türkei und Europa.

Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan hat unterdessen westlichen Staaten erneut vorgeworfen, Terroristen Unterschlupf zu gewähren: „Soll die westliche Welt die Terroristen in westlichen Städten beherbergen, wie sie will.“ Diese Politik werde die Staaten  „wie ein Bumerang treffen“. Der türkische Europaminister Ömer Celik wies die scharfe Kritik der Europäischen Union am Vorgehen seiner Regierung gegen Opposition und Medien zurück. Forderungen aus der Europäischen Union, die Beitrittsverhandlungen mit der Türkei abzubrechen, nannte Celik „rassistisch“.

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