Gaskunden zahlen zu viel

Der Gaspreis auf den Märkten ist in diesem Jahr drastisch gesunken. Doch die Verbraucher in Deutschland profitieren davon nicht. Mit einem Kommentar von Martin Hofmann: Alle Jahre wieder

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Auch 2015 bleiben Gas und Strom teuer - trotz des Ölpreisverfalls.  Foto: 

Gewinnsucht wirft der Bund der Energieverbraucher (BDE) den Strom- und Gasversorgern in Deutschland vor. Nach einer aktuellen Studie waren die Gasimporte im Jahr 2014 günstiger zu beziehen als im Vorjahr. "Daher hätten die Gaspreise für Verbraucher sinken müssen", sagte BDE-Vorsitzender Aribert Peters der SÜDWEST PRESSE. Die Studie, die das Hamburger Forschungs- und Beratungsbüro Energy Comment für die Bundestagsfraktion der Grünen erstellt hat, kommt zu dem Schluss: Ein durchschnittlicher Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 20.000 Kilowattstunden hat übers Jahr 108 Euro zu viel bezahlt. Das sind rund acht Prozent der Jahresrechnung von 1300 Euro. Insgesamt haben die Kunden aus Haushalten und Gewerbe 1,5 Milliarden Euro mehr bezahlt als notwendig gewesen wäre.

Auch 2015 bleiben Gas und Strom teuer - trotz des Ölpreisverfalls. Nach einer Erhebung des Internetportals Verivox liegen im Januar 2015 die Gas-Endkundenpreise, die früher eng an das Öl gekoppelt waren, nur um gut ein Prozent unter dem Vorjahreswert. Zum Vergleich: Heizöl hat sich in diesem Jahr um 28 Prozent verbilligt. Den Tank mit 3000 Litern zu füllen, kostete am Dienstag rund 1755 Euro, das sind 700 Euro weniger als zu Jahresbeginn. Die Gas-Endkundenpreise dagegen liegen nach Angaben von Verivox im Januar 2015 nur um gut ein Prozent unter dem Vorjahreswert.

Beim Strom senkt jedes dritte Unternehmen den Preis. Die Ersparnis zum Beginn des neuen Jahres beträgt über alle Anbieter gerechnet allerdings nur 0,4 Prozent oder etwa fünf Euro pro Haushalt und Jahr. "Von einer wirklichen Entlastung kann keine Rede sein", sagte Jan Lengerke von der Verivox-Geschäftsführung.

Eine amtliche Aufsicht über die Strom- und Gaspreise gibt es in Deutschland nicht. "Wer sparen will, muss sich auf dem Markt umsehen. Günstige Angebote gibt es", sagt Fiete Wulf von der Bundesnetzagentur. Viele Verbraucher nutzen diese Möglichkeit aber nicht. 30 Prozent der Gasverbraucher bezahlen immer noch den Grundversorgungstarif, beim Strom sind es sogar 34 Prozent. Mit einem Wechsel in andere Verträge oder zu anderen Lieferanten lasse sich Geld sparen, so die Netzagentur.

Ein Kommentar von Martin Hofmann: Alle Jahre wieder

Da knallen die Sektkorken bereits vor Silvester. Umsichtige Strom- und Gasversorger haben sich im abgelaufenen Jahr günstig mit ihren Produkten eingedeckt. Fürs neue Jahr konnten sie noch preiswerter einkaufen. Der Strompreis hat im Vergleich zu 2013 um sieben Prozent nachgegeben. Gas konnte für das Lieferjahr 2015 um 15 Prozent billiger geordert werden.

Nur ein Thema kehrt wieder. An die Kunden wollen die meisten Anbieter diese Nachlässe nicht oder nur in ganz kleinen Prozentpünktchen weitergeben. Schließlich ist doch jeder Privathaushalt und Gewerbetreibende jetzt froh, dass Heißwasser die Heizkörper duchströmt, Elektromotoren schnurren und Licht die frühe Dunkelheit vertreibt. Wenn es behaglich ist, wer denkt da an die Regeln der Marktwirtschaft. Und wer will sich den Feiertagsfrieden mit einer Debatte stören, ob eine staatliche Preisaufsicht für Dinge der Daseinsvorsorge nicht besser funktionierten als ein angeblicher Wettbewerb, der keiner ist.

Halt, da fällt Verbraucherschützern die Lösung ein: Anbieterwechsel, empfehlen sie gebetsmühlenartig. Da lächeln die Strom- und Gaslieferanten milde. Sie verlassen sich auf ihre Kunden, die trägen. Und wer sich eine Marktübersicht verschaffen will, wird viele Angebote finden ohne durchzublicken - wegen zahlloser Tarife und Sonderkonditionen. Deshalb bleibt im neuen Jahr alles beim Alten. Bis zum nächsten Jahreswechsel. Oder doch zum übernächsten?

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