Ganz direkt zur Sache

Euro-Rettung, Fiskalpakt, Bankenhilfe - die Bundesregierung hat viel zu erklären. Das macht sie unter anderem per Videobotschaft.

|

Wie macht man dem Bürger die europäische Krisenpolitik verständlich? Über den Appell von Bundespräsident Joachim Gauck an Angela Merkel, die Rettungsmaßnahmen und ihre (finanziellen) Folgen dem Volk besser zu erklären, mögen sich Mitarbeiter der Kanzlerin den Kopf zerbrechen. Finanzminister Wolfgang Schäuble unternimmt dagegen schon seit geraumer Zeit wenigstens den Versuch, Klartext zu sprechen - per Videobotschaft aus dem Internet. "Wie kann sich die Lage in Griechenland und Spanien wieder bessern?", fragt ihn eine junge Frau in der neuesten Folge von "Schäuble zur Sache". Der Minister holt aus, dass Griechenland, um wettbewerbsfähig zu werden, nicht um eine "Anpassung" herumkommt, auch nicht um eine "Anpassungskrise". "Wenn man zu lange über seine Verhältnisse lebt, kann man nicht - indem man noch besser lebt - die Probleme lösen", fügt er dann hinzu. Ist doch bürgerleicht. Nur dumm, dass in Spanien alles "ganz anders" ist, wegen des gestoppten Baubooms, was wiederum den Banken Probleme bereitet. Deswegen erhielten diese jetzt "kurzfristig" Kapital.

Ob die Fragestellerin damit zufrieden ist, muss dahin gestellt bleiben. Sie durfte ihre Frage nur in eine Videokamera sprechen, bekam Schäuble also gar nicht zu Gesicht. Wie auch der Mann mittleren Alters mit Vollbart, der wissen will, wie der Minister denn den "Zielkonflikt" zwischen Wachtstumspolitik und strenger Haushaltsdisziplin lösen will. Dieser Frage ausgesetzt, sieht sich Schäuble am "Kern der Ursache dieser krisenhaften Entwicklung" angelangt - zu hohe Schulden. Es folgt die alles erklärende Botschaft "Nachhaltiges Wachstum setzt solide Finanzen voraus".

Merkel bedient sich übrigens schon seit dem Jahr 2006 des Video-Podcastings. Ihr Format heißt "Die Kanzlerin direkt". Mehr als 100 Folgen gibt es bereits, in denen sich Merkel durchaus auch über Europa auslässt. Ein Beitrag vom November 2011 trug etwa den Titel "In Europa müssen alle ihre Hausaufgaben machen". Sie verstehe schon, "wenn manch einer fragt: Wie geht es weiter?", so Merkel damals. Aber zum Pessimismus bestehe kein Anlass. Noch Erklärungsbedarf?

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

ICE-Lokführer verpennt Halt in Neu-Ulm

Seit dem Fahrplanwechsel hält täglich einmal ein ICE in Neu-Ulm. Das klappt noch nicht so gut, wie am Dienstag zu sehen war. 50 Passagiere blieben am Bahnsteig zurück. weiter lesen