Fußball im Griff der Wettmafia

680 verdächtige Spiele, 425 Personen aus dem Fußball involviert: Die Europol-Untersuchung zum Wettskandal offenbart ein gewaltiges Ausmaß.

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Die Ermittlungen unter dem Codenamen "Veto" offenbaren den größten Wettskandal der Sport-geschichte und stürzen die Fußball-Welt in eine weitere tiefe Glaubwürdigkeitskrise. Die europäische Polizeibehörde Europol hat nach eigenen Angaben 680 verdächtige Spiele von 2008 bis 2011 registriert. Darunter sind 300 völlig neue Fälle weltweit sowie allein in Europa 380 Partien, die in den Ländern meist schon bekannt waren. Betroffen vom Wettskandal sind Begegnungen der WM- und EM-Qualifikation sowie zwei Champions-League-Spiele, davon ein Spiel in England.

"Wir haben ein dichtes kriminelles Netzwerk aufgedeckt", sagte Europol-Chef Rob Wainwright gestern in Den Haag. Er sprach von Manipulationen "auf einem nie dagewesenen Niveau".

Allein in Deutschland stehen laut dem Bochumer Hauptkommissar Friedhelm Althans 70 Partien unter Verdacht - das wären deutlich mehr als bisher in den Prozessen verhandelt worden waren. An Manipulationen und Wettbetrug sollen 425 Klub-Funktionäre, ehemalige oder aktive Spieler und Schiedsrichter in mindestens 15 Ländern beteiligt gewesen sein. 151 von ihnen haben ihren Wohnsitz in Deutschland, wo im Zuge des Wettskandals bisher 14 Personen verurteilt wurden.

Neben den Spielen in Europa wird wegen 300 neuer verdächtiger Begegnungen, meist in Asien, Zentral- und Südamerika sowie Afrika, ermittelt. Betroffen seien aber auch Spanien, Großbritannien und die Niederlande, sagten die Ermittler. "Es sind sogar zwei WM-Qualifikationsspiele in Afrika und eine Partie in Zentralamerika unter Verdacht", sagte Althans.

Hinter dem Wettskandal soll Europol zufolge ein asiatisches Verbrechersyndikat stecken, das auch in Europa aktiv sei. Zudem seien russischsprachige Gangs involviert. "Wir haben Beweise für 150 dieser Fälle. Aktivitäten mit Bestechungsgeldern von bis zu 100 000 Euro pro Spiel gingen von Singapur aus", sagte Althans, Sprecher des Ermittlerteams aus 13 europäischen Ländern, zu den neuen Erkenntnissen. "Das ist erst die Spitze des Eisberges", sagte Europol-Chef Wainwright. Mehr als zwei Millionen Euro an Bestechungsgeldern seien an Spieler und Offizielle geflossen, europaweit strichen die Manipulateure Wettprofite in Höhe von acht Millionen Euro ein.

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