Fünfjährige Inga seit zwei Jahren vermisst

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Polizisten suchen in einem Waldstück in Wilhelmsdorf bei Stendal nach der fünfjährigen Inga. Foto: Florian Voigt/Archiv

Zwei Jahre nach dem spurlosen Verschwinden der damals fünfjährigen Inga in einem Wald bei Stendal gehen bei der Polizei noch immer vereinzelt Hinweise ein. Doch ihr Schicksal ist weiterhin komplett ungewiss.

„Wir bekommen pro Woche durchschnittlich noch zwei bis drei Tipps“, sagte der Magdeburger Polizeisprecher Mike von Hoff der Deutschen Presse-Agentur. Insgesamt seien in den zwei Jahren mehr als 2000 Hinweise überprüft worden.

„Es gab 600 Sichtungen weltweit“, sagte von Hoff. In keinem Fall war am Ende sicher, dass es sich um das Mädchen aus Schönebeck handelte. Hinweise seien aus New York, Norwegen, England, der Schweiz und vielen Regionen Deutschlands gekommen. Ob das Mädchen Opfer eines Verbrechens wurde, ob es noch lebt - dazu kann es keine gesicherten Aussagen geben. Bundesweit hängen vierleorts noch die Fahndungsplakate mit Ingas Bild. „Wir suchen immer noch nach dem Mädchen und wir wollen auch nicht aufgeben“, sagte von Hoff.

Das damals etwa 1,20 Meter große, blonde Mädchen mit der großen Zahnlücke hatte am 2. Mai 2015 gemeinsam mit anderen im Wald Holz für ein Lagerfeuer gesammelt und war nicht zurückgekehrt. Ingas Familie war im Stendaler Ortsteil Wilhelmshof zu Besuch. Kurz nach ihrem Verschwinden begann eine riesige Suchaktion in dem gut 3500 Hektar großen Wald. Die Ermittler nutzten Fernsehsendungen, prüften mögliche Verbindungen zu anderen Fällen, setzten besonders sensible Suchhunde ein. Dennoch ist Inga bis heute wie vom Erdboden verschwunden.

Die Eltern des Mädchens haben dem am Donnerstag erscheinenden Magazin „Stern“ ihr erstes Interview gegeben. Mit der Ungewissheit über Ingas Schicksal gehen sie sehr unterschiedlich um. „Mein Gefühl sagt mir, sie ist noch am Leben“, sagte die Mutter. Der Vater hingegen: „Ich habe nichts gefunden, was für einen guten Ausgang sprechen könnte, so sehr ich mir den auch wünsche.“ Er ergänzte: „Die Hoffnung, dass sie gefunden wird, habe auch ich immer noch. Aber die Hoffnung, dass sie lebend zurückkommt, geht bei mir gegen null.“ Das Interview hätten sie auch gegeben, weil sie Hoffnung hätten, dass sich doch noch jemand einen Ruck gibt und einen entscheidenden Hinweis gibt. „Vielleicht sogar jemand aus dem direkten Umfeld des Täters“, sagte der Vater.

Der Psychotherapeut und psychiatrische Gutachter Steffen Dauer aus Halle machte deutlich, dass für die Familie des Mädchens die seelische Belastung durch das Verschwinden von Inga immer präsent ist: „Man kann nie davon loslassen und es kann niemand nachvollziehen, was sie empfinden. Es ist grausam“, sagte Dauer. Daher gehe es in der Psychotherapie vor allem darum, dass die Menschen lernen, mit ihrem permanenten Schmerz, den wiederkehrenden Sorgen und Ängsten umzugehen. Hart treffe es auch die Geschwister, die ebenfalls Hilfe brauchen. Sie hätten keine unbescholtene Kindheit, „weil sie die Trauer und Betroffenheit ihrer Eltern immer wieder erleben“.

Die bis zu 40 Mann starke Ermittlungsgruppe war im August vergangenen Jahres aufgelöst worden. Die letzten fünf Beamten, die sich speziell mit diesem Fall beschäftigen, sollen ab Ende dieser Woche zum normalen Tagesgeschäft zurückkehren, sagte von Hoff. Die Akten zum Fall Inga hatte die Polizei schon im Dezember ohne heiße Spur an die Staatsanwaltschaft übergeben. 16 Kartons mit 150 Bänden Akten waren zusammengekommen.

Die Staatsanwaltschaft Stendal hat das Ermittlungsverfahren nach Angaben von Sprecher Thomas Kramer inzwischen - formell - eingestellt. „Weil es zur Zeit keinen hinreichenden Tatverdacht gegen eine bestimmte Person gibt“, sagte er. „Das Verfahren wird aber sofort wieder aufgenommen, sobald neue Anhaltspunkte für Ermittlungen kommen, die die jetzige Situation ändern beziehungsweise wenn Inga gefunden wird“, betonte der Sprecher der Staatsanwaltschaft.

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